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betreibt. Ineiner ländlicharrangiertenSzeneam„Fabriksmeierhof“werdenandas
Personal unddessenNachwuchsMilchrationen verteilt: Die Innenseite einesHof-
tors öffnet sich langsam. Während im Hintergrund schemenhaft eine Feld- und
Waldlandschaft zu erahnen ist, strömenKälber indas InnerederAnlage (Schnitt).
Ein vonStierengezogenerHeuwagen folgt, hält unmittelbar vorder ebenerdigpo-
sitionierten Kamera, umdiese schließlich seitlich zu passieren (Schnitt). In leicht
schräg angeordneter totaler Perspektive eröffnet sich die Verteilungsszenerie im
Hof eines Gebäudekomplexes. An einem langgestreckten TischwirdMilch ausge-
schenkt. Frauen, aber vor allem Kinder werden kontrolliert in vorgegebener Rei-
henfolge zurAusschankbeordert, um ihreKannenmitMilch füllen zu lassen.Der
industrielleProduktionsbetriebwirdandieserStelledurchdörflichundsozialkon-
notierteMotiveunterbrochen.
Ein reges und geschäftiges Treiben vermitteln hingegen die „Ansichten aus
demMonturdepot“. Im InnenhofderAnlageparkenLastwagen.AusdenFenstern
des Lagers werden geschnürte Pakete direkt in die Transporter geworfen. Im
Vorhof der Barackensiedlung des Depots bearbeiten Frauen das militärische
Schuhwerk (Schnüren, Sohlenkleben, Putzen). Soldaten begutachten die voll-
brachteArbeit, suchennachpassenderBekleidung.AmGeländehat sicheineige-
nes, geschäftiges, durch den Krieg bedingtes Arbeits- und Gemeinschaftswesen
entwickelt.
Qualität, PräzisionundKontrolle, TraditionundModerne, rationelleLeistungs-
fähigkeitundeffektvolleWirkungskraft–dieKriegsindustrie(werbe)filmederk.u.k.
MonarchieweisenwiederholendeTopoiauf,dieeinegleichartigeAus-undZielrich-
tungderProduktionenerkennen lassen. FilmischeMittel undvisuelleEffektekom-
men zum Einsatz, um von einer reinen Präsentation abzukommen und visuelle
Überzeugungsarbeit zu leisten.DieFilmpropagandaagiertargumentativ,dasPubli-
kumhatte die Botschaften unmittelbar zu verstehen und sollte auf rationaler und
emotionalerEbeneerreichtwerden.
Filme mit militärischen und mitunter kriegsindustriellen Inhalten konnten in
neutralenLändernwie etwaderSchweizdurchausaufAblehnungstoßen.318Anders
geartetePlotswurdenhingegenohneBedenken in–hinsichtlichdesKriegs–unpar-
teiischen Staaten gezeigt. Neben Städte- und Landschaftsbildern zählten dazuAuf-
nahmen aus der Modebranche. Innerhalb der Aktualitätenschau präsentierte man
unteranderemDIELETZTENWIENERFRÜHJAHRSMODELLE.319VonderVorführungdiverser
Modefilme, wie etwa einem Streifen über die „Wiener Schwimmkleid-Modeschau“,
318 Siehe dazu u.a.: KA, AOK, KPQ, Ktn. 62, Filmstelle 1917, „Ausstellung des Militär-
GeneralgouvernementsSerbien“,Nr.9266, 28.September 1917.
319 DIE LETZTENWIENER FRÜHJAHRSMODELLE (KLEIDER UNDHÜTE), BEITRAG DER SASCHA-MESSTERWOCHE
Nr. 174aund174b/1918.Vgl.:DerKinobesitzer,„Zensurergebnisse“,Nr.31, 30.März1918,o.S.
5.3 „ZurDemonstrationökonomischerStärke“ 73
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur