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(für beide Filme) von 149.077,45 Kronen einen Erlös von 206.000 Kronen erzielten,
waren Industrie(lehr)filme wie DIE ERZEUGUNG VON ZIGARETTENHÜLSEN bei Produk-
tionskosten von 14.498,90KronenundeinemErlös von4.000Kronen einVerlust-
geschäft.346Dadie FHS sichaus ihrenEinkünften selbst erhalten sollte347 unddie
Herstellung „belehrend propagandistischer Filme“ eben dies nicht gewährleisten
konnte, setzte man seitens der leitenden Stellen auf „einträglichere Filmge-
schäfte“. Sowurden über von außen kommendeAtelier- und Laboraufträge, aber
auch über die Produktion von Auftragsfilmen Zusatzeinkünfte lukriert.348 Rekla-
mefilmewurdenauf „privateBestellung“unter anderemfürdieWienerMesse, die
Ovomaltinewerke, ein pharmazeutisches Unternehmen sowie für Tourismusbe-
triebegedreht.349
Die bis 1924 existente FHS350 ist hinsichtlich der von ihr produzierten Filme,
derenAusrichtungundEinsatz prototypisch für die sich nachdemErstenWeltkrieg
etablierendeBranchederKurzfilmhersteller.Lehr-,Bildungs-,Kultur-undWerbefilme
wurdenumgesetzt, oftmals lagenGenremischformenvor.AuchdieVorführungs-und
Vertriebsformenwarenentsprechendvielfältig.DerGrunddafür lagindenvielschich-
tigen Anforderungen, die an den propagandistischen bzw. werbenden Film gestellt
wurden:Erhatteniveauvoll,diskretundhumorvoll zusein,diewerbendePointewar
idealerweise erst amEnde zu setzen.Andererseits konnte ein zu großesMaßanUn-
terhaltsamkeit die Zuschauer ablenken.DerReklamefilmsolltedemnachmehr infor-
346 Parallelbeispiele finden sich indenAktender FHS.Vgl. etwa:ÖStA,AdR, Staatskanzlei-BKA,
alt,Varia, Staatl. Bundes-Film-Hauptstelle, 1921,Ktn. 236, Zl. 223/17,Ggstd.:MonatsberichtproDe-
zember1920/Jänner1921sowieEbd.Zl. 223/21,Ggstd.:MonatsberichtproMärz1921,April 1921.
347 ÖStA, AdR, Staatskanzlei-BKA, alt, Varia, Staatl. Bundes-Film-Hauptstelle, 1922, Ktn. 237, Zl.
1069,Ggstd.:RichtlinienbetreffenddieFührungderFilm-Haupt-undLichtbildstelle, 18.April 1922.
348 ÖStA, AdR, Staatskanzlei-BKA, alt, Varia, Staatl. Bundes-Film-Hauptstelle, 1920, Ktn. 235, Zl.
915,Ggstd.:OrganisationderstaatlichenFilmhauptstelle,März1920.
349 ÖStA, AdR, Staatskanzlei-BKA, alt, Varia, Staatl. Bundes-Film-Hauptstelle, 1922, Ktn. 237, Zl. 65/
14,Ggstd.:GeldgebarungundGeschäftsberichtderBFHundLichtspieltheaterproSeptember 1922und
ebd. Zl. 65/13, Ggstd.: Geldgebarung und Geschäftsbericht der BFH und Lichtspieltheater
proAugust 1922 sowie 1923–1924, Ktn. 238, Zl. 207/i, Ggstd.: Geldgebarung undGeschäftsbericht der
BFHproNovember1922.
350 1924 wurde die FHS liquidiert. Eine Übernahme durch das Bundesministerium für Unterricht
(BMU) erfolgte. Noch in den 1930er-Jahren führte und verlieh der dem BMU unterstehende
ÖsterreichischeLichtbild-undFilmdienstFilmeausderProduktionderFHS.Vgl.:ÖStA,AdR,Staats-
kanzlei-BKA,alt,Varia,Staatl.Bundes-Film-Hauptstelle, 1923–1924,Ktn.238,Zl. 106,Ggstd.:Bundes-
filmhauptstelle, Vorschläge über die Beseitigung der gegenwärtigen finanziellen Situation, 28. Juni
1924.ÖStA,AVA,BMU,Volksbildung:Film, 1929–1930,Ktn. 487, Faszikel (Fasz.) 472,Geschäftszahl
(Gschz.) 3767/1929, Ggstd.: Arbeitsgemeinschaft der amtlichen österr. Bildstellen, Dezembersitzung,
Übernahmeder Filmhauptstelle durchdas BMU, Februar 1929 sowie ebd. 1932, Ktn. 489, Fasz. 473,
Gschz. 4171-II/106, Ggstd.: Filmabteilung. Vorführungmedizinischer und chirurgischer Filme, 1932.
Sieheauch:Moritz,Experimente,S.53 f.
6.1 PropagandafürStaatundVolk–DieStaatlicheFilmhauptstelle 81
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur