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Industrie begründete „Ausschuss für wirtschaftliche Betriebsführung“ durchaus
über neue Entwicklungen der Arbeitswissenschaft und der Psychotechnik sowie
den sinnvollen Einsatz von filmischen Zeit- undBewegungsstudien informierte.366
Das „Österreichische Kuratorium fürWirtschaftlichkeit“ gab auf Veranlassung der
Wiener Handels- und Gewerbekammer derart ausgerichtete Streifen sogar in Auf-
trag,diedergestalterzeugtenStudiengaltenaberals„nochnichtausgereift“.367
Die Beweggründe,Werksfilme zu beauftragen, waren zumeist Firmenjubiläen,
gezielteReklamepräsenz (etwaaufMessen)oderdieNeueinführungvonProdukten
bzw. die Eröffnungneuer Betriebsanlagen. DiesemAnlassprinzip folgen auch jene
drei Filme, die das Traditionsunternehmen Julius Meinl, das sich vom Einzelhan-
delsladen zum internationalen Lebensmittelkonzern entwickelt hatte, 1921 drehen
ließ. Im Jahr zuvor nahmMeinl dieHerstellung vonBonbons auf, 1921 erwarb die
Kompanie die „Dänisch-Österreichische Margarinewerke AG“ und erzeugte fortan
Meinls Epoca-Margarine.368 Genau diese neuen Produktionszweige präsentierten
jene Filme (DIE ERZEUGUNG VON MARGARINE; DER ZUCKERLONKEL und DIE SÜSSE FAB-
RIK),369 die imMai 1922 denArbeiternundAngestelltender Fabrik sowiedem inte-
ressiertenFachpublikum imBusch-Kino erstmals vorgeführtwurden.370 Ergänzend
widmete sichDIE SÜSSE FABRIK imSpeziellen derHerstellung vonKakaopulver und
Schokolade, beides bereits seit 1900Teil derMeinl-Produktion.371 ZweiGründe lie-
ßen sich für dieKonzentrationauf diese schon lange eingeführtenErzeugnisse an-
führen: Ab 1920 nahm der während des Kriegs und in der unmittelbaren
366 ÖStA,AVA, Bundesministerium fürHandel undGewerbe, Grundzahl (Grz.): 43929, Zl. 43929/
29–24, Betreff: Ausschuss fürwirtschaftlicheBetriebsführung, BerufsberatungundPsychotechnik,
26.März1924.
367 ÖStA, AVA, BMU, Volksbildung: Film, 1932, Ktn. 489, Fasz. 473, Gschz. 8713-II/10b, 1932,
Ggstd.:Beratungender 1. SitzungdesvorbereitendenAusschussesderTechnischenArbeitsgemein-
schaft fürLichtbild-undFilmwesenbeimÖsterr.Lichtbild-undFilmdienst, 12.Februar 1932.
368 Lehrbaumer,Margareta:Womit kann ich dienen? JuliusMeinl. Auf den Spuren einer großen
Marke,Wien2000,S.40 f.
369 Zwei der Filme sind heute noch erhalten und zählen zumBestand des FAA. Alle drei Filme
wurden 1921 von der Filmwerke AG Wien produziert. Vgl. dazu Filmdatenbank des FAA sowie
ÖStA, AVA, BMU, Volksbildung: Film, 1929–1930, Ktn. 487, Fasz. 472, Gschz. 36407-II/10b, 1932,
Ggstd.:VolksbildungshausWienerUrania, Lehrfilme,Märchenfilme, unterhaltendeBeigaben,Ver-
lagdesVolksbildungshausesWienerUraniaWien1927, Juni 1932.
370 Der Filmbote, „Ein sehenswerter Industriefilm“, Nr. 19, 13.Mai 1922 S. 11. Bei demvierten im
Artikel genannten und gleichfalls als Meinl-Produktion deklarierten FilmDIEMASCHINE ALSMEHL-
SPEISKÖCHIN (A1920,P: IndustriaLehr-undKulturfilmGmbHWienVII,Neubaugasse 21)handelt es
sich tatsächlichumeinen Industriewerbefilm,der fürdieTeigwarender„Großeinkaufsgesellschaft
fürösterreichischeConsumvereine“ (GÖC)wirbt.BeiderGÖChandeltees sichumeinesozialdemo-
kratischeKonsumgenossenschaft.
371 Kühschelm,Oliver: JuliusMeinl. Patriarchalisch, (groß)bürgerlich, österreichbewusst, in:Brix,
Emil/Bruckmüller,Ernst/Stekl,Hannes:MemoriaAustria III.Unternehmen,FirmenProdukte,Wien
2005,S.46. 6.2 Werks-, Lehr-undWerbefilm 85
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur