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Nachkriegszeit nurmäßig erfolgte Import von Rohstoffen allmählichwieder zu.372
DerHinweis auf diewieder einsetzende volle Produktiondiverser traditionsreicher
Genussmittel der Firma Meinl konnte nun auch per Film belegt werden. Zudem
richtete sichderZUCKERLONKELklarandieZielgruppederKinder,die seit jeherauch
im ZentrumderWerbekampagnen fürMeinl-Schokolade standen.373 Ein paralleler
EinsatzderbeidenFilmemachtedaherdurchausSinn.
Die 1922 zum ersten Mal präsentierten Meinl-Filme wurden 1927 auch im
VolksbildungsprogrammderWiener Urania geführt und kamendort erneut zum
Einsatz.DerLehrfilmcharakter,derdendreiStreifen imKatalogauchzugewiesen
wird, ist inDIE SÜSSEFABRIKbesonders klar erkennbar.NacheinigenEstablishing
Shots, die auf die Größe des Betriebs, die Vielzahl der Werktätigen und das
geschäftige Treiben in Hof- und Innenanlagen verweisen, werden die Verarbei-
tungsschritte und Herstellungsabläufe minutiös vorgeführt und per Zwischen-
texttafeln beschrieben. Manuelle Tätigkeiten und maschinelle Arbeitsvorgänge
wechselneinander regeab.Visuell ansprechendeMaschinenarrangements (Rota-
tionsmechanismen,durchLichtsetzungerzielteGlanzeffekte aufdenMetallteilen
usw.) in totalerodernaherAufnahmezentrierendenFokusstreckenweiseaufdie
technischeMethodik.DerEinsatz vonFließbändernverweist auf einenbeschleu-
nigten rationelleren Arbeitsrhythmus. Der Mensch als Kontrollorgan der Ma-
schine und Sicherheitsgarant für den perfekten Produktionsablauf und die Güte
der Erzeugnisse ist auf bildlicher Ebene laufend präsent.Während die (fast aus-
schließlich) sachlichund instruktivgestaltetenZwischentitel zumreinobjektiven
Verständnis des Gezeigten dienen, vermitteln die Prüfschritte der Belegschaft
(Konsistenz- undGeschmackstest der Kakaomasse, Kontrolle der Prozessabläufe
in den Gerätschaften) ein visuell transportiertes Gefühl des Vertrauens in die
Qualität – ein Moment, das gerade bei der Produktion von Nahrungsmitteln
nachhaltig zumTragenkommt. Facharbeiter undBetriebseinheitsleiter schreiten
durch die Anlagen, beobachten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei ihrer
Tätigkeit.
In DIE SÜSSE FABRIK erscheinen dieWerktätigen weit weniger anonym als in
anderen Industrie(werbe)filmen der Zeit. Die Werkplätze sind gut ausgeleuchtet
und lassen in zumeist amerikanischen oder bisweilen halbnahen Einstellungen
dieeifrigenKräfte inFrontal- oderSeitenansichtdetailreicherkennen.Seltensind
nurdieGliedmaßenderWerktätigen zu sehen.Diepersönliche, daauchaufMen-
schenzentrierteNoteunterstreichteineSequenz,diemit folgendemTitel eingelei-
tet wird: „Bei der zuletzt gezeigten Aufnahme hat der indiskrete Filmoperateur
eineDamedesFabriksbüros,diealsZuschauerinzugegenwar, ineinemMomente
372 Lehrbaumer,Womitkannichdienen?,S.40.
373 Ebd.,S. 18 f.
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur