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denNachmittags- undAbendstunden und in Anwesenheit von nichtmehr als 100
Besuchern–Filmevor.384
Die Idee, Industriefilmeparallel fürLehr-undReklamezweckeeinzusetzen,war
nicht neu. Schon 1907 bewarben Fachkreise die Vorteile technischer Werksfilme,
diemansowohl inderBelehrungderBevölkerungals auch inderwerbendenKraft
derStreifenbeiFachausstellungensah.385VorallemsolltendieseFilmeder thema-
tisch versierten Jugend nahegebracht werden. Das Medium ermöglichte es, die
Arbeitsvorgänge komplexer Maschinen zu veranschaulichen, Bewegungsabläufe
genau zu verfolgen und ein Stück Praxis in die Lehre zu bringen.386 Interesse an
derart gestaltetenFilmen,dieoftmalsvonUnternehmernundVerleihernzurVerfü-
gung gestellt wurden, hatten besonders technische Fachschulen und Universitä-
ten.387 Im Verlauf der Zwischenkriegszeit weitet sich der Ruf nach belehrenden
WerbeindustriefilmenzunehmendauchaufdasSchulsystemaus.
6.3 Bildungs-undWerbefilm
Veranstaltung vonSchülervorstellungenmit gewähltemProgramm,Einführungder lebenden
Photographie als Lehrmittel für die Schule und besonders Förderung des Interesses an
Films388 belehrenderArt–diesemZweck sollenAufnahmenaus derNaturgeschichte, der In-
dustrieundderVölkerkundedienen,die zweifellosvongrößeremWerteundbesserer erziehe-
rischerWirkung sind, als vielederGeschmacklosigkeiten, dieheutegebotenwerden. Ist doch
der Wert des Kinematographen als Lehrmittel nicht nur für die Wissenschaft [. . .] sondern
auchfürdieSchulenichtzuunterschätzen.VieleVorgängeausdemLeben,dieGewohnheiten
und Bewegungen von Tieren, der Gang derMaschinen, die Erzeugung verschiedener Gegen-
stände, bieten reichereMittel für denAnschauungsunterricht als trockeneWorte und leblose
Bilder.389
DerRuf nachdem „guten“, „moralischhochstehenden“Film, der abseits derUn-
terhaltung und Schaulust einen bildendenMehrwertmit sich brachte,wurdemit
384 ImZeichendesMohren,Mitteilungen fürdieMitarbeiter undFreundedesMeinl-Konzerns, „Aus
den Konzernunternehmungen“, Nr. 1, Dezember 1935, S. 15. Wiener Stadt- und Landesarchiv
(WStLA),Magistratsabteilung (MA) 104,Zl.K2261,„KonzessionsersuchenderFirmaJuliusMeinlA.
G.“, 27. Jänner1938.
385 DerKomet,„DerKinematograph imDienste technischerBelehrung“,Nr,. 1155, 1907,S.9.
386 Ebd.sowieDerFilmbote,„WarumtechnischeLehrfilmenötigsind“,Nr. 24, 12. Juni 1920,S. 26.
387 DasKino-Journal, „Über Lehrfilme“, Nr. 519, 1920, S. 29–30.Archiv der TechnischenUniversi-
tätWien: Jahrbuch fürdasStudiumanderTechnischenHochschule inWien1930–1931,Wien1932,
S. 72. Jahrbuch für das Studium an der Technischen Hochschule inWien 1931–1932, Wien 1933,
S. 88–90. JahrbuchderdeutschenStudentenschaft, TechnischeHochschuleWien 1932–1933,Wien
1934,S44–48.
388 „Films“warderzeitgenössischüblichePluralvon„Film“.
389 DerKomet,„DieErziehungdurchdenKinematographen“,Nr,. 1184, 1907,S.9.
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur