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Waschhilfebeschworen.TheorieundPraxis treffenerstmalsaufeinanderund lösen
einander imweiterenVerlauf des Films tandemartig ab, führen aber auch zu einer
immerdeutlicherenTeilung ineine„männliche“und„weibliche“Hemisphäre.
Professor Stahlschmidt will seine wissenschaftlichen Kenntnisse über mo-
derneWaschmethoden erweitern und besucht mit seiner Frau die Persil-Werke
in Düsseldorf. In umfassenderWeise wird das Paar unter der Ägide des Chemi-
kers Dr. Breuer über Bestandteile des Waschmittels, Herstellungsprozesse des
Pulvers und seineWirkungsweise informiert. Nach einem Rundgang durch die
Anlage leitet der Gesang der Arbeiterinnen in den Bereich der „Human resour-
ces“ über. Helle Räume, medizinische Vorsorgeeinrichtungen für Mitarbeiter
und deren Kinder, die Mütterberatungsstelle sowie „zweckmäßig schöne“
Schwimm- und Sportanlagen sichern die Gesundheit des „Humankapitals“, sor-
gen für „gute Stimmung“ und einen besonderen Fleiß der Werksangehörigen,
deduziertDr.Breuer.
Frau Stahlschmidt wird in der Folge in der „Persil-Waschkunst“ unterwiesen.
LangwierigwerdensämtlicheArbeitsschritteunterAnweisungeinerWanderlehrerin
durchgeführt. Den Abschluss bildet eine Aufnahme in der kaufmännischen Abtei-
lungdesBetriebs.DerBüroleiter verliestAuszügeausder täglicheinlangendenPer-
silverbraucher-Post. Er kommuniziert direkt mit dem Publikum, weist auf die
Bedeutung der Erfahrungen der Konsumenten hin und fordert auf, diese denHen-
kel-Werkenmitzuteilen. Man hätte auf dieseWeise schon viel über die universelle
Anwendung vonPersil erfahren, so etwa bei derHaar-, Kopf- undFußwäsche, der
Tier-undBlumenpflegesowiebeiderReinigungvonMöbeln,Schmuck,Fellen,Tep-
pichen und Bildern. Nach weiteren Ausführungen über die Henkel-Produktpalette
schließt der Abteilungsleiter mit denWorten: „Sie dürfen versichert sein, dass die
ErzeugnisseeinesHauses, indemnachdenneuzeitlichenMethodengearbeitetwird,
immerdasFortschrittlichstedarstellen,wasüberhauptgebotenwerdenkann.“
Der nachfolgende Epilog greift den stilistischen und inhaltlichen Aufbau des
Vorspanns wieder auf: Der Henkel-Löwe über dem Eingangsportal desWerks be-
ginnt den Bilderreigen. In Bewegung befindlicheMaschinen- und Transportgerät-
schaften werden per Überblendung undMehrfachbelichtung in schneller Abfolge
präsentiert. Getragen wird die Sequenz von einem polyphonen Hymnus, der Bild
undMusik eine symphonische Einheit gibt. Das Schlussbildmit der Büste des Fir-
mengründersFritzHenkelklingtmitFanfarenklängenaus.
Prolog und Epilog bringen per Musik, Schnittfolge, Perspektivenwechsel und
MehrfachbelichtungDynamik in einen Film, der sonst bisweilen Längen aufweist.
IndiesenSequenzenwerdendie filmischenMittel der Zeit ausgereizt, umdie ratio-
nelle undmoderne Produktions- und Arbeitsweise der Firma Henkel optisch und
akustischerlebbar zumachen.Versuche,dieneuenMöglichkeitendesMediumszu
nutzen, werden im Verlauf des Films immer wieder unternommen: Laute und
gleichförmige Maschinengeräusche simulieren eine reale Fabriksatmosphäre. Sie
dominierendenRaum, lassendieBesucherdesBetriebsmitunter verstummenund
6.3 Bildungs-undWerbefilm 99
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur