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der Wirtschaftstreibenden nach, die darin eine Möglichkeit sahen, die Bevölke-
rung mit den österreichischen Erzeugnissen vertraut zu machen. Die Wochen-
schaumachteessichdemnachzurAufgabe,dieHerstellungvonErzeugnissender
Industrie, aber auchder ländlichenHeimarbeit detailgenaunachzuvollziehen.480
Einzelne Arbeitsschritte wurden aufgenommen und durch den Sprecher unter
VerwendungundErklärungvonFachausdrückengenauerläutert.DieBenennung
einzelnerMarkenunterließmanmöglichst,derWirtschaftsstandortÖsterreichall-
gemein sollte propagiert werden. Die Wirkung blieb trotzdem bescheiden: Den
Filmbeiträgen fehlt es zumeist anDynamik. Die beschauliche undoft langatmige
Darstellung der Arbeitsvorgänge lassen die Atmosphäre einer fortschrittlichen
und aufstrebenden Industrie, worauf die Berichte ja eigentlich abzielten, nicht
wirklichaufkommen.481
Da der Aktualitätsanspruch derWochenschau insgesamt nur sehr gering war
und sichdie Beiträge vor allemauf Sujets aus der österreichischenWirtschaft, der
Kultur,desSportsundderNaturstützten,glichdieÖBUTaufder inhaltlichenEbene
dem Kulturfilm. Bei der Produktion beider Formate wurde zudemwiederholt auf
das gleiche Filmmaterial zurückgegriffen. Ein fixes Team an Kurzfilmherstellern
wieHans Brückner, GustavMayer, AdiMayer, Bruno Lötsch, Hans Ludwig Böhm,
Max Zehenthofer, Robert Reich undKarl Köfinger realisierte sowohl die ÖBUT- als
auch die Kulturfilmsujets.482 Von ihrer ästhetischen Ausrichtung her waren sich
beideGenres inder Periode 1933bis 1938 sehr nah,Gleiches gilt für die propagan-
distischeZielrichtung.
Konkret lässt sich Letzteres auch über die Indienstnahme beider Formate im
Zuge derAktion „Kauft österreichischeWaren“ belegen. 1927wurde die Kampagne
„zur Hebung des Konsums inländischerWaren“ auf Initiative des damaligenHan-
delsministers Hans Schürff gestartet.483 Zur effektiven Umsetzung diverser Propa-
gandamaßnahmenhattensich„dieösterreichischenKammern fürHandel,Gewerbe
und Industrie, dieLandwirtschaftskammern,dieArbeiterkammern,derNiederöster-
reichische Gewerbeverein, die Spitzenorganisationen der Frauen (aller politischen
Richtungen), der Hauptverband der Industrie Österreichs, der Gewerbeverbände
480 Beispielhaft seien hier einige Titel angeführt: ÖSTERREICHISCHE GLÜHLAMPEN-ERZEUGUNG
(Nr. 22a/1933), SKIERZEUGUNG IN ÖSTERREICH (Nr. 29a/1933), LANDWIRTSCHAFTLICHE SPIRITUOSENERZEU-
GUNG (Nr. 74b/1934),HEIMISCHEELEKTRO-INDUSTRIE (Nr. 34b/1934),STICKEREI-INDUSTRIE (Nr.42b/1934),
HEIMISCHESTRUMPFERZEUGUNG(Nr. 7b/1936).
481 Vgl. dazu auchdieAusführungen derAutorin:Moser, Karin: Die Bilderwelt der Österreich in
Bild und Ton – die konstruierte Realität eines ständestaatlichen Propagandainstruments, in:
Achenbach,Michael/Moser,Karin:Österreich inBildundTon.DieFilmwochenschaudesaustrofa-
schistischen Ständestaates,Wien 2002, S. 115. Zudemboykottierte das Publikum in zunehmenden
MaßedieÖBUT.Siehedazu:DasKino-Journal,Nr. 1284, 16.März1935,S. 2.
482 Moser,Demokratie,S. 302.
483 Vgl.:Gries,Produkte&Politik,S.77. 6.4 Kultur-undWerbefilm 113
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur