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Versuch im darauffolgenden Jahr erwies sich schließlich als zufriedenstellend und
durchauserfolgreich.DerFilmWOHINLÄUFSTDUSCHILLING?wurde1929erstmalsaufge-
führt495 und schien noch 1933 in denKulturfilmlisten der „ständestaatlichen“Behör-
denauf.496
WOHIN LÄUFST DU SCHILLING?497 zentriert sich um die „Gefahren der Bevorzu-
gung fremder unddenNutzen der Bevorzugungheimischer Produkte“.498 Die Bot-
schaft des auf dem Prinzip der Problemlösungsstrategie aufgebauten Films wird
bereits im ersten Drittel des Streifens klar deklariert. Im Zentrum des zentralen
Plots steht eine kaufkräftigeKundin, die in einemmodernenGroßkaufhaus gezielt
zurausländischenWaregreift.DasausgegebeneGeldwirdperAnimation lebendig,
„bekommtBeine“undmarschiert Richtungnächster Grenzposten.Die als „KeyVi-
sual“499eingesetztenMünzenvermittelnunmittelbaraufemotionalerEbene,obder
eben getätigte Kauf positiv (tanzende Schillinge) oder negativ (Geldstückemit ge-
senktenHäuptern)zubewerten ist.
Als direkte Folge des Fremdwarenerwerbs werden im ersten Drittel per
Zwischenschnitt Szenen vor demArbeitsamt eingeblendet. In der Kältewarten die
Arbeitslosen vor der Behörde,während die per Stopptrick eingefügtenMünzen an
ihnenvorbeilaufen.ZuHauseangekommen,wirdderFehlkaufderEhefrau rational
erläutert. Auf die per Zwischentitel eingeblendete FragederGattin an ihrenMann:
„DasGeld lief fort, hab’s selbst gesehen. Erklärmir,wie ist das geschehen?“, folgt
die Antwort per Präsentation der Handelsbilanz des Jahres 1931. Diese weist ein
Passivumvon867Millionen Schilling aus undwird per nachfolgender Schlagzeile
desNeuenWiener Tagblatts vom 24. Jänner 1932 bestätigt. Mahnend schließt der
GattedieseLektionab:„Indieser schwerenZeit,meinSchatz,wardieseWahlnicht
ganzamPlatz!“
Die erfolgreiche Umerziehung belegt die anschließende Sequenz: Neuerlich
wirddasKaufhaus besucht, dochdiesmal gezielt einheimisches Produkt (Handta-
sche) gekauft. Das Einblenden des österreichischen Warenzeichens demonstriert
495 Paimann’sFilmlisten, 8.März 1929,o.S. sowieTirolerZensurbescheide,Nr. 146, 1929zit.nach:
Ballhausen, Thomas/Caneppele, Paolo (Hg.), Materialien zur österreichischen Filmgeschichte 10:
EntscheidungenderWienerFilmzensur 1929–1933,Wien2003,S. 28.Caneppele,Paolo (Hg.),Mate-
rialien zur österreichischen Filmgeschichte 4: Entscheidungen der Tiroler Filmzensur 1922–1938,
Wien2002, S. 309. 50KopiendesFilmswurden inUmlaufgebracht.DieVertreterderKörperschaft
„Kauft österreichischeWaren“gingendavonaus,dassmanbei etwa1.300Kinospieltagen500.000
Zuschauererreichenmüsste.WKW,AktE27.468/3,Tätigkeitsbericht fürdas Jahr1929,S. 2.
496 Der Filmwurde offensichtlich vor demneuerlichen Einsatz überarbeitet. So weist die erhal-
teneFilmkopieeineHandelsbilanzstatistikdes Jahres1931aus.
497WOHINLÄUFSTDUSCHILLING?;A1929,P:ÖsterreichischeWerbefilmges.ReichJanisch&Co.
498 Kontakt,„KauftösterreichischeWaren!“,Nr.8, Juli/August 1930,S. 13.
499 Unter„KeyVisual“verstehtHeiserSchlüsselbilder vonnachhaltiger visuellerWirkung,denen
eine spezielleSymbolkraft innewohnt.Vgl.:Heiser,Albert:DasDrehbuchzumDrehbuch.Erzählst-
rategien imWerbespotund-film,Berlin2004,S.68 f.
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur