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kamenparallel zumTragen.DenArbeitslosengegenüberhattemanVerantwortung
an den Tag zu legen, der Kauf heimischerWaren käme direkt der Volkswirtschaft
zugute und schaffeArbeitsplätze. Jedeund jeder Einzelneprofitiere aber auchvon
einer aufstrebendenÖkonomie:DieBeschäftigungwirdgesichert. Der Lohn, der in
heimische Produkte investiert wird, hat nicht nur „ethischen Mehrwert“, er ver-
sprichtaucheinpositivbesetztes,heilversprechendesKonsumerlebnis.
Die konzeptionelle und inhaltliche Ausrichtung des Films folgte jener der Ak-
tion an sich,was allerdings auchKritik lautwerden ließ. „Patriotismus, Rücksicht
auf die Arbeitslosigkeit, Bedachtnahme auf die Zukunft, Passivität der Handelsbi-
lanz“empfandendieWerbestrategenalskeineeffektivenKaufgründe.Schlagkräfti-
gereArgumentewärenvorzubringen, soetwa„gleicheoderbessereQualität–aber
billigeralsAuslandsware“.Mitdenweitreichenden,wennauchgutgemeintenAkti-
vitäten hätte man – so folgerten die Experten – bestenfalls die Bevölkerung zum
Nachdenken gebracht.502 Die staatlichen Stellen sahen dies offensichtlich anders.
Der FilmWOHIN LÄUFST DU SCHILLING? wurde in Kinos, im Rahmen von Vorträgen
unter anderem inderWienerUraniaund inSchulen gespielt.503 DasUnternehmen
„Brevillier&Urban“–einProduzentvonBleistiften–brachtedenFilm,gemeinsam
mit einem eigenen Industriewerbefilm, in 896 Schulen zur Aufführung.504 1933
führte dasUnterrichtsministeriumWOHIN LÄUFSTDUSCHILLING? als Bildungsfilm.505
AuchbeihauswirtschaftlichenKursenkamderFilmzurVorführung.506 JenachEin-
satzgebiet fungierte der Streifen demnach als Werbe-, Kultur- oder Lehrfilm, was
nicht nur neuerlich auf dieMultifunktionalität vieler Produktionen, sondern auch
aufdievielgestaltigenAufführungsorteundVorführpraktikenverweist.
502 Kontakt,„KauftösterreichischeWaren“,Nr. 10,Februar1928,S. 15.
503 ÖStA,AdR,BMHV,581c,Ktn.3533,Grz.90823-WPA/34,Ggstd.:Arbeitsgemeinschaft„Kauftös-
terreichischeWaren“. Aktion des Referats für Wirtschaftspropaganda, Februar/März 1934. ÖStA,
AVA, BMU,Volksbildung: Film, 1929–1930, Ktn. 487, Fasz. 472, Gschz. 36407-II/10b, 1932, Ggstd.:
VolksbildungshausWienerUrania, Lehr-undBildungsfilme,Überprüfung,KatalogWienerUrania,
NeuerscheinungenOktober 1929, Juni 1932.Kontakt,„KauftösterreichischeWaren!“,Nr.8, Juli/Au-
gust 1930,S. 13.
504WKW,AktE27.468/3,Tätigkeitsbericht fürdas Jahr1930,S.5 f.
505 ÖStA, AVA, BMU, Volksbildung: Film, 1933, Ktn. 490, Fasz. 473, Gschz. 17035-II/10b, 1933,
Ggstd.:Filmbegutachtung.VeröffentlichungderErgebnisse1933.
506WKW, Akt E 27.468/1, Personen A–Z, Schreiben „Erna Zelinka an die Arbeitsgemeinschaft
‚KauftösterreichischeWaren‘“, 2.April 1931. 6.4 Kultur-undWerbefilm 119
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur