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Für die geregelte Aufführung des Reklamefilms im Lichtspieltheater war also
wenige Monate vor dem „Anschluss“ Österreichs an NS-Deutschland noch eine
neueVereinbarunggetroffenworden. InderPraxishattendiewerbetreibendenUn-
ternehmenund InstitutioneneinenanderenWeggewählt, umihreReklamestreifen
im bestmöglichen Aufführungskontext zu präsentieren. Ein Großteil der Filme
wurde nicht oder nicht nur in festen Kinoetablissements präsentiert, sondern in
Fabriken, in Schaufenstern und Geschäftslokalen, in Schulen, an universitären
Einrichtungen, in der Urania, in Restaurants, in Gemeindesälen, in Vereinen, in
Wanderkinos, aufKreuzschiffen, beiMessen, FachtagungenoderAusstellungen.519
Dieser bevorzugte Vorführrahmen, den die angelsächsische Forschung „non-
theatricalexhibition“nennt,520wardurchmehrereGrundvoraussetzungenundEnt-
wicklungenbedingt.
7.2 „Non-theatricalexhibition“:DerWerbefilmeinsatzaußerhalb
desregulärenKinobetriebs
Die kürzeste für eine Tonfilmwerbungübliche undmögliche Länge dürfte bei zirka 10Meter
liegen.Mit 30Meter (eineMinuteVorführdauer) läßt sichbereits ziemlichviel sagenoder zei-
gen.Mehrwie 150oder höchstens 200Meterwerden inden seltenstenFällen vonnöten sein.
EineÜberschreitung dieses Ausmaßes ist auch schondarumnicht empfehlenswert,weil der
Interessent unter Umständen ermüdet oder gelangweiltwird, und ferner auchmit Rücksicht
aufdie fixeVorstellungsdauerderLichtspieltheater, da sonstdieEinreihung indasSpielpro-
grammerschwertwird.521
Wiederumwar es der Werbefilmer Hans Ludwig Böhm, der in den 1930er-Jahren
über die Publikation zahlreicher informativer Artikel in Fachzeitungen für das Re-
klamemedium Film warb, praktische Tipps gab und auf etwaige Probleme und
derenVermeidunghinwies (wie etwa in obigemZitat). Die „Überlänge“ eineswerb-
endenFilmskonnte,wieBöhmklardarlegt, dazu führen, dassderKinobetreiberdie
Vorführung desselben ablehnte. Die per Film werbenden Unternehmer suchten
daher sinnvolleAlternativen,um ihreReklamemittel zielgerichtet einzusetzen.Denn
in den 1930er-Jahren wiesen in Österreich zur Aufführung kommendeWerbefilme
519 Vgl. dazu: Moser, Karin: Charmant –markant – provokant: Der österreichischeWerbefilm.
Anfänge –Weichenstellungen – Durchbruch, in: Archiv undWirtschaft. Zeitschrift für das Ar-
chivwesen derWirtschaft, Nr. 4/2013, S. 179. Zimmermann, Yvonne: Neue Impulse in der Doku-
mentarfilmforschung, in: Zimmermann, Yvonne (Hg.): Schaufenster Schweiz. Dokumentarische
Gebrauchsfilme1896–1964,Zürich2011,S. 19.
520 Siehedazu:Slide,Anthony:BeforeVideo:AHistoryof theNon-TheatricalFilm,Westport 1992.
521 Contact,„WerbungdurchdenFilm“,Nr. 12,Dezember1933,S. 17.
7.2 „Non-theatricalexhibition“ 123
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur