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mitunter eine Laufzeit von bis zu 500Meter (ca. 15Minuten) auf.522 Je detaillierter
und inhaltlich sachlicher einFilmgestaltetwar,umsoeherbot sicheineAufführung
desStreifensaußerhalbdesKinotheatersan.
Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die Einführung, Etablierung und
Verbreiterungdes 16mm-Schmalfilms.523Dieserwarvorallemschwerentflammbar,
kostengünstiger und handlicher im Einsatz als der 35mm-Normalfilm. Außerdem
galtendie für diesesMaterial konzipiertenVorführapparate als einfach zuhandha-
benund leicht zu transportieren.524GenausolcheVorteilepropagiertendieHerstel-
ler vonSchmalfilmenundSchmalfilmapparaturen,umdiebehördlicheAbwicklung
und Genehmigung von Vorführungen per 8mm-, 9½mm- oder 16mm-Film zu er-
leichtern.525 Befürworter fanden sie bei denWerbefilmproduzenten, den per Film
werbenden Firmen sowie bei Vertretern von Bildungsinstitutionen,wobei Letztere
auf eineVerbreiterungdes kulturellenundwissenschaftlichenFilms imUnterricht
abzielten.526
DieUnternehmensvertreter betonten insbesonderedieBedeutungdesReklame-
Schmalfilms fürdieheimische IndustrieförderungundforderteneineVereinfachung
der Aufführungsbestimmungen, um die Verbreitung „dieses neuenWerbemittels“
zusichern.527Widerständemachtensichdiesbezüglichbesonders indenBundeslän-
dernbemerkbar.DiedortansässigenKinobesitzer fürchtetenEinbußenaufgrundder
vermehrtgestelltenAnsuchenaufBetreibenvonWanderkinobetriebenzurPräsenta-
tion „geschäftlicher Ankündigungen“.528 Deren Opponenten (Werbefilmproduzen-
ten, Schmalfilmerzeuger, per Film werbende Firmen) beharrten darauf, dass
„geschäftliche Propaganda-Vorführungen“ keinerlei Konkurrenz für Lichtspielthea-
ter darstellten.529 Die Handelskammern der Länder sowie das Bundesministerium
für Handel und Verkehr intervenierten schließlich bei den Landesregierungen
522 Contact,„Vortrag:WieentstehteinWerbefilm?“,Nr. 7/8, Juli/August 1935,S.30.
523 Vgl.dazuauch:Goergen, In filmoveritas,S. 359.
524 Verkaufspraxis, „Werbeleiter und Schmalfilm“, Nr. 8, Mai 1932, S. 473. Der gute Film, „Der
Schmalfilm“,Nr.61, 26. Jänner1934,S.7 f.
525WKW, Filmakten, Paket 3173/3, M 13, Burgenländische Handelskammer, Einl. Z. B 1448/5.
Ggstd.:„SchmalfilmvorführungenmitschwerentflammbarenFilmen“,September1933.
526 ÖStA,AdR,BMHV, 581c,Grz. 93.426/33,Ggstd.: Schmalfilme. ErlassungbesondererVorschrif-
ten,Februar-Juni 1933.
527 ÖStA, AdR, BMHV, 581c, Grz. 107.193–10/31, Ggstd.: Schwierigkeiten bei der Vorführung von
SchmalfilmenineinzelnenBundesländern,Dezember1931.
528WKW, Filmakten, Paket 3173/3, M 13, Wiener Allgemeine Gewerbegenossenschaft, Betreff:
„Öffentliche Vorführung von Lauf- und Stehbildern“, 10. November 1932. Österreichische Film-
Zeitung,„Gibtes ‚kinokose’Orte inÖsterreich?“,Nr. 52, 24.Dezember 1937,S. 1.
529WKW, Filmakten, Paket 3173/3, M 13,Wiener Allgemeine Gewerbegenossenschaft, Betreff:
„Öffentliche Vorführung von Lauf- und Stehbildern“, 10. November 1932.Österreichische Film-
Zeitung, „SchmalfilmundKinotheater“, Nr. 49, 3. Dezember 1932, S. 7 sowie ebd., „Der Schmal-
tonfilm“,Nr. 11, 17,März 1934,S. 3.
124 7 Der„richtige“Ort fürden„richtigen“Film
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur