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sichbeiderKurzfilmherstellungumein„gebundenesGewerbe“handle,dass„nurvon
einemkleinenKreis gewerberechtlichBerechtigter ausgeübtwerde“, die dennotwen-
digenBedarf an Fachkräften bereits abdeckten.665 Parallel dazu überwachte der Ver-
band der Kurzfilmhersteller anhand der beim Wiener Magistrat Abteilung 6
vorliegenden Zensurlisten, obdie eingereichtenKurztonfilme von gewerblich berech-
tigten Produzenten hergestellt wordenwaren. „Pfuschern“wollteman somit auf die
SpurkommenundEinhaltgebieten.666
DieVertreter desFilmmetierswarenansichvehementeVerfechter derGewerbe-
freiheit, zeigtenaber– lautBranchenblatt–Verständnis fürdieSondersituation ihrer
Kollegenschaft.Manhatte„ausKreisenderBeteiligtendaraufhingewiesen,dasssich
leider inder letztenZeit eineganzeAnzahl sogenannterReklamefilm-undKurzfilm-
Herstelleretablierthaben,diezwarsehreifrigBestellungenundAnzahlungenentge-
gennahmen, aber dann die Fertigstellung und Lieferung vergaßen“. Es handle sich
dabei um „Außenseiter, die in der Filmindustrie völlig unbekannt“wären, die aber
„zahlenmäßig so stark inErscheinung treten“, dass sich„dieZahlder einschlägigen
BetriebeschonindenerstenWochendesneuenJahresverdoppelthatte“.667
DieArgumentationderKurzfilmherstellerwurde indenFachblätterngeflissentlich
fortgeführt,markanteEinzelfälle inder Folge aufgegriffen. Ein solcher „Außenseiter“,
der vomVerband der Kurzfilmhersteller eifrigst bekämpft wurde, war der jugoslawi-
scheProduzentZwonkoMaar. Letztererwarnicht imBesitz einesösterreichischenGe-
werbescheins zur Kurzfilmherstellung. Maar führteWerbefilme aus Jugoslawien ein,
die er in Österreich neu vertonte bzw. mit neuen Trickaufnahmen ausstattete. Die
heimischenKurzfilmproduzentenwarfenMaarvor,eineSchwarz-Apparaturzuverwen-
den, da die „Selenophon“ als einzigemit einemTonfilmpatent ausgestattete österrei-
chische Firma „eine Arbeit mit ihm als ‚Pfuscher’ ablehne“. Zudem offerierte Maar
seineWerbefilme„für4bis600Schilling“,womiterdiePreisedereingesessenenKurz-
filmerderartunterbot,dassder„RuindesKurzfilmgewerbes“prognostiziertwurde.Die
Vorführungeines„Weihnachts-bzw.Neujahrsfilms“Maars,mitdemdieKinobetreiber
ihr PublikumandenFeiertagenbegrüßen sollten,wurdehintertrieben.DerKurzfilm-
herstellerverbandwies die Lichtspielunternehmer darauf hin, dass es sich bei dieser
Produktionumeine„Pfuscherarbeit“handleundsich jene „Theaterbesitzer, diediese
Erzeugnissespielen,unterUmständenstrafbar“machten.668
665 ÖStA, AdR, BMHV, 581c, Ktn. 3711, Grz. 92307-WPA/37, Zl. 93725-WPA,Ggstd.: Hanns Funke,
Filmproduktion, Interesse an Herstellung von Kulturfilmen, Jänner bis Februar 1937 sowie ebd.,
Ktn. 3711, Grz. 92307-WPA/37, Gschz. 112694, Ggstd.: Ministerialkommissär Dr. Hans Dworzak,
Wien,Filmsujet, 14.Dezember1937.
666WStLA,MA104,Zl.K774,„SchreibenVerbandderKurzfilmherstelleranWienerMagistratAb-
teilung6,BekämpfungderPfuscheraufdemGebietedesFilmgewerbes“,8.Mai 1936.
667 Österreichische Film-Zeitung, „Konzessionierung der Kurzfilm-Herstellung“, Nr. 13, 27. März
1936,S.4.
668 DerWienerFilm,„Konflikt inderWienerKurzfilm-Produktion“,Nr. 32, 15.Dezember1936,S. 2.
150 8 DieWerbefilmproduzenten:Etablierung,Organisation,Einflusssphären
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur