Page - 161 - in Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Image of the Page - 161 -
Text of the Page - 161 -
es wird auf sie herabgeblickt, wobei jeweils der Blickwinkel von Kofferträgern,
SchaffnernundKellnerneingenommenwird.
InderFolgedominierenzwei„Produkt-Empfehlungen“denWerbefilm.Sowird
erstensderKomfort der Zugreise durchServiceleistungenbetont: EinGepäckträger
istderDamezuDiensten,dieKaffeehauskulturwirdauch imSpeisewagengepflegt.
Die Bahnhält einen ruhigenKurs,wodurchweder das Lesen einesMagazins noch
dieRast imZugrestaurantbeeinträchtigtwerden.TrotzdemlegtdieBundesbahnein
durchaus schwungvollesTempovor.„Phantomrides“ lassenvordemAugederZu-
schauer österreichische LandschaftenundSehenswürdigkeiten vorbeieilenund sie
soeinweniganderReiseerfahrungteilhaben.
DiezweiteEmpfehlunggiltder„Attraktion“, derbestmöglichenPräsentationder
vielfältigen heimischen landschaftlichen und kulturellen Schönheiten. Berge, Seen,
Wälder,WasserfällewerdenvonSchlössern, Kirchen,Denkmälern abgelöst. Umdie
Einblicke zu erweitern,muss dieKamera denZug verlassen.AufnahmenvorOrt, in
StädtenundTälern zeigen,was sichbei einemVerlassendes ZugsnochanSehens-
wertemoffenbart. St.Wolfgang, Zell amSee, BadGastein, Innsbruck, Bregenz,Mill-
statt, Klagenfurt oder auch Baden werden in Ansichtskartenmanier von erhöhten
Aussichtspunkten, per Panoramablick, vomUfer aus,mitten imstädtischenTreiben
(Straßenszenerien in Innsbruck) oder in ländlichemAmbiente (Arm inArm spazie-
rendeFrauen inVorarlbergerTrachtaufeinerWeidevoreinerKirchen-undBergsze-
nerie) ansprechend präsentiert. Wieder am Ausgangsbahnhof angekommen,
entsteigt dieDamedemZug (derGepäckträger istwieder unmittelbar zur Stelle, um
denKomfort zu gewährleisten). Sie bleibt schließlich vor einer Plakatwand stehen,
wendet sichdemPublikumzuund fordert esauf, einLosderBundesbahnlotterie zu
kaufen, umeine „herrlicheFahrt durchunser schönesÖsterreich“ zugewinnen.Die
offensichtlicheLaiendarstellerinoutriert inGestusundTonfall, deutet heftig aufdas
Plakat der Bundesbahnlotterie. Dieses verspricht eine „Fahrt ins Glück“ um einen
Schilling 50Groschen (Lospreis). End- undTitelbild sind identisch (der gezeichnete
Zugmit Schienenverlauf), der Schriftzug „Ende“ sowie „EinHans BrücknerWerbe-
film“ lassendenReklamestreifen inSpielfilmanmutungausklingen.
Glück steht auch im Zentrumdes StreifensMESALLIANCE (A 1933), der für eine
Klassenlotteriewirbt. DerVorspann lässt allerdings einennachfolgendenSpielfilm
erwarten,daDarsteller,Produktions-,Regie-,Kamera-undTon-Zuständigkeitenex-
plizit ausgewiesen werden. Vor allem die prominente Erstgenannte – die damals
populäreVolksschauspielerinHansiNiese–unterstreichtdieseAnnahme.727
Die erste totale Einstellung verschafft einen Überblick über den Ort der Hand-
lung.DieSzeneriespielt ineinembürgerlichenWohnzimmer. InderMittedesRaums
727 Esdürfte sichbeiMESALLIANCEumeineder letztenDarbietungderbeliebtenVolksschauspiele-
rinhandeln.DerStreifen läuft imFrühling 1933 indenösterreichischenKinosan,HansiNiesever-
stirbt imApril 1934. 8.4 Werbefilmproduzenten imPorträt 161
back to the
book Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938"
Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur