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Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
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und erklärt, dass Frau Reisleitner bei der Klassenlotterie 300.000 Schilling ge- wonnenhat.DieHausfrauverliert nun jedeFormder Zurückhaltung. Erregt greift sie sich an die Brust, auf denMund, zittert am ganzen Körper und schreit nun- mehr: „Jessas, jessas, hermit derMarie! Anschauen lassen das Geld!“Der junge Mann kommt dieser Aufforderung nach und zieht die Geldpakete aus seiner Ta- sche.Mit demAuftritt desBankangestelltenunddemKameraschwenkzurück zur Mitte des Raums sind für einige Sekunden nur noch Frau Reisleitner und dermännlicheProtagonist zusehen. Mit der Präsentation des Gewinns gesellt sich Resi zurMutter, legt einen Arm, umsie.DerGeldsegenhebtdieDistanz zwischendenbeidenauf.DieTochter bringt folglich die neue Ausgangssituation auf den Punkt: „Aber jetzt, Mutter, jetzt darf i mein Karl heiraten?“ Frau Reisleitner – sich ihrer neuen Position nun bewusst – verändertGestik,MimikundTonfall. Sie strecktdenKörper, hebtdenKopf, verzieht denMundunderklärt leicht näselnd: „Na ja, es ist zwar eineMesalliance, abermia könnenma sich das jetzt leisten!“ [sic!] Dabeiwirft sie zwei Geldpakete verächtlich auf den Tisch. Komisch ist daranneben ihremäußerenHabitus auchdie von ihr ge- wählteSprache.Nichtnur ist sienicht inderLage,dasWort„Mesalliance“ französisch richtigprononciert auszusprechen, auchdasHochdeutschentgleitet ihr letztlich.Geld alleinmacht – in dieser Volksstückdarbietung – eben noch keine „Dame“, die Her- kunftbleibt in ihremWesenfestgeschrieben(sodasFazit). Nach einem Schnitt folgt der Schlussappell. Aus extremer Untersicht wird der Stephansdomvonobennachunten zuabgeschwenkt.DazuertöntdieAufforderung derOff-Stimme728:„EilenSiezumHaupttrefferbankhausSchelhammerundSchattera aufdemStephansplatz!“EinemweiterenSchnitt folgt einSchwenk(nun innormaler Kameraperspektive, auf Augenhöhe) vom angedeuteten Portal des Doms über den Platzbis zumGeschäftslokaldesUnternehmens. Es folgt eineNahaufnahmederAu- ßenfront des Bankhauses, Passanten eilen vorbei. Der Sprecher schließt seinenAp- pell wie folgt: „Die Ziehungen der mit einem neuen Spielplan ausgestatteten 31. Klassenlotterie beginnen schon am 23. Mai. Achtung! Sie können diesmal einen Haupttreffer von einer ganzenMillionSchilling gewinnen!“Das Schlussbild präsen- tierteinePanoramaaufnahmeWiensmitzentralemBlickaufdenStephansdom. Diebeste innerstädtischeLagedesVerkaufslokalsnimmteinezentraleRolle inME- SALLIANCE ein. Sowohl auf der Text- (der Angestellte des Bankhauses stellt sich etwa mitderGeschäftsadressevor)alsauchaufdervisuellenEbene istderDomdaswieder- kehrendeBezugselement.Zugleich istderStephansdomeinoriginäresWienerSymbol. DieTonartdesFilms ist traditionell,Wienerisch,volksnah,wasvorallemüberdieDar- bietung der u.a. als Nestroy-, Raimund- oder Salten-Darstellerin bekannten Hansi 728 Zuhören ist dieStimmeKarl Ziegelmayers. Erwar auchder Sprecherder austrofaschistischen Wochenschau ÖSTERREICH IN BILD UND TON. Seine markante Stimme war später auch in den OST- MARK-WOCHENSCHAUENwieauchinzahlreichenKulturfilmender1950er-Jahrezuvernehmen. 8.4 Werbefilmproduzenten imPorträt 163
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Der österreichische Werbefilm Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Title
Der österreichische Werbefilm
Subtitle
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Author
Karin Moser
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-062230-0
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
316
Keywords
Culture of memory, media history, advertising
Category
Kunst und Kultur
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