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seine Auftraggeber, die ihre Filmemeist außerhalb des regulären Kinobetriebs und
mit unterschiedlichen Zielsetzungen zum Einsatz brachten. Staatliche Werbefilme
warendurchausauchalsKultur-undLehrfilmeeinsetzbar.DieseVorgabeentsprach
auchganzKöfingers Stil, der sich trotz einer ZunahmeanprägnantenKurzwerbefil-
mennichtmaßgeblichänderte.DesWeiterensind49seinerWerbefilmedemBereich
Tourismus zuzuordnen, weshalb eine umfassende und vielseitige Darstellung von
Landschaften,SehenswürdigkeitenundAttraktionendurchausgewünschtwar.Seine
weiteren Reklamefilme bewarben Reinigungs- und Körperpflegeprodukte,744 Beklei-
dung und Informationsdienstleistungen,745 Futtermittelerzeugnisse746 und Finanz-
dienstleistungen.747 Die Titel einiger Streifen lassen keine eindeutigen Schlüsse auf
dasbeworbeneProduktzu.748
Zu seinen ersten und zugleich für Köfinger untypischstenWerbefilmarbeiten
zähltDERSTIEFELPUTZERALSLIEBESAMOR(A1924).Der imVergleichzuseinenübrigen
Filmen andere Stil ist auf den grafischenGestalter diesesAnimationsfilms zurück-
zuführen. Der inWarschau geborene und seit 1904 inWien lebendeMichaelMai-
baum war eigentlich ausgebildeter Architekt, hatte sich jedoch im Bereich
Filmerzeugung und Zeichentrickfilm weitergebildet,749 in verschiedenen Filmate-
liersmitgearbeitetund1937einenGewerbeschein„zurHerstellungvonKurzfilmen“
erworben.750DER STIEFELPUTZER ALS LIEBESAMOR ist eine von zweiAnimationsfilmar-
beiten,751 die Maibaum in der Zwischenkriegszeit zugeordnet werden können.
MichaelMaibaumwurdeeinOpferdesNS-Terrors.752
Für den genannten Reklamestreifen wandte Maibaum die Legetricktechnik an.
DieausPapieroderPappegefertigten flachenFigurenänderndurchdasVerschieben
744 DER STIEFELPUTZER ALS LIEBESAMOR (A 1924, L: 105m), siehe: Paimann‘s Filmlisten, 17. Novem-
ber 1924, o. S. VERJÜNGENDEGESICHTSPFLEGE (A 1932, L: 57m) sowieWIE PFLEGT DIE SCHÖNEWIENERIN
IHRGESICHT (A1932,L: 190m),beidesiehe:Paimann‘sFilmlisten, 1.Oktober1932,o.S.
745 ZELINKAS-DAMENBEKLEIDUNG(Aca. 1932,L: 100m), siehe:BestandFilmarchivAustria.EINELEHR-
STUNDE BEI FRAUZELINKA–SPARSAMKEIT IN DERHAUSWIRTSCHAFT (A 1932, L: 295m), siehe:Paimann‘s
Filmlisten, 22. Jänner1932,o.S.
746 (1903–1933): 30 JAHRE KERBERS FUTTERMITTEL (A 1930, L: 170m), siehe:Paimann‘s Filmlisten,
2. Jänner 1933,o.S.
747 SPAREMITGLÜCK (A1927,L:217m), siehe:Paimann‘sFilmlisten, 23.Mai 1927,o.S.
748 GLÜCK IMUNGLÜCK (A 1929, L: 81m), siehe:Paimann‘s Filmlisten, 25. November 1929, o. S.WARUM
SEINMOTORINDERKÄLTENICHTANGING(A1933,L:30m),siehe:Paimann‘sFilmlisten,2.Februar1934,o.S.
749 Renoldner,AnimationsfilminÖsterreich– 1832,S. 76.
750WKO, Archiv Wien, Gewerbearchiv, Gewerbeschein „Michael Maibaum“, Nr. 778, 22. März
1937.
751 ZugeordnetwerdenkannMaibaumauchdieanimierteTraumsequenz imSpielfilmKLEIDERMA-
CHENLEUTE (A1921,R:HansSteihoff).Renoldner,AnimationsfilminÖsterreich– 1832,S. 78.
752 Maibaumwurde 1938 nach Polen deportiert, wo er im zumKonzentrationslager umgewandelten
einstigen jüdischen Ghetto Bialystok ermordet wurde. Siehe Online-Personensuche Opferdatenbank
„MichaelMaibaum“ imDokumentationsarchiv desÖsterreichischenWiderstands: http://www.doew.
at/personensuche,30.6.2015. 8.4 Werbefilmproduzenten imPorträt 167
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur