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Martin und dem Schloss Esterházy, der Römersteinbruch St. Margarethen,
Rust,MörbischundderNeusiedler See.Hier soll gezeigtwerden,wasdemBesu-
cher an Aussichten und Ansichten sowie an Entspannungs-, Erholungs- oder
sportlichen Möglichkeiten geboten wird. Bei den aktiven Tätigkeiten – prome-
nieren, gustieren, konsumieren, schwimmen, sonnen, Wasserballspielen, Boot
fahren –wird die Zielgruppe dieser Filme greifbar. Als „gutbürgerlich“ in Klei-
dung undHabitus sind dieMitreisenden bzw. die vor Ort Aktiven zu erkennen.
Dazwischenbesteigenundentsteigen siedembzw. fahrenmit demPostkraftwa-
gen.Breit ausgebaute, aberauchentlegene–hochoder engangelegte–Straßen
werdenmit dem Bus erobert. Abenteuer- und Reiselust werden vermittelt, oft-
mals fährt der Wagen bewusst rasant durch die Landschaft, wobei Erde und
Sand aufgewirbelt werden, um das Fahrterleben visuell aufzubereiten. Die Be-
wegung imBildwird bewusst arrangiert, der Postkraftwagen selbst stimmig in-
szeniert–dieKamerapositioniert sich anPlätzen, andenendasReisegefährt in
diagonaler Handlungsachse vorbeifährt, während Passanten, Radfahrer oder
auchTieredenWegkreuzen.EinheimischeundTouristenwinkeneinander freu-
digzu–auch indenentlegenenWinkelnsinddieBesucherwillkommen.
Während die Reisenden agieren, sind die Ortsansässigen Teil der „voyeuristi-
schen“Schaulust. DerAlltag der „Anderen“, aber auchderenäußeresWesenweckt
Interesse,wobeiKöfingerauchhieraufGegensätze setzt.NichtnurdieLandschaften
unddie touristischenAngebote sindvielfältig, auchdieBevölkerungweistDiversität
auf; inKREUZUNDQUERDURCHSBURGENLANDwirddiesbesondersdeutlich.Aufnahmen
von Burgen, Schlössern, Bädern und Landschaftenwerden von Szenerien aus dem
Alltagunterbrochen,wobei etwader Zwischentitel „Zigeuner“als einzigerÜbergang
undKommentarzuAufnahmenvoneinemRoma-undSinti-Lagerplatzdient.EinKa-
meraschwenk in totalerEinstellunggibt einenerstenEinblick indieSzenerie:Mitten
inderPuszta rahmenPferdekutschenund-waggons jenenBereich,dendas fahrende
VolkzuraktuellenHeimstattgemachthat. ImKreisgruppiertsitztdieFamiliezusam-
menamBoden, linksvon ihnen trinkt einHundaus einemKübelWasser.Dienach-
folgenden Einstellungen rücken nahe an die Protagonistinnen und Protagonisten
heran. InHalbtotalerundGroßaufnahmewerdeneinzelne„Typen“als „spezielleAt-
traktionen“ indenFokusgenommen.FrauenunterschiedlichenAlters ruhenmitKin-
dern auf der Erde. Lumpen und Säcke dienen als Lagerstatt. Man isst, blickt
verschämtweg, lacht. Frauen,HalbwüchsigeundselbstKinder ziehengenussvoll an
ihrenZigaretten.EinältererMannhat imFamilienkreisdenVorsitz.
Der nachfolgende Zwischentitel „Stete Abwechslung bietet die Eigenart des
Burgenlandes“verbalisiertnochmalsdasvisuell ohnehinoffensichtliche.Neuerlich
leitet ein totaler Kameraschwenk die nächste Szene ein: Ein Dorfidyll bietet eine
vonHäusern undKirchturmgerahmteWiesenlandschaft dar. Gänse sammeln sich
imGrünenund imangrenzenden Teich, den Letzteren nutzt auch die Landjugend
zur Erfrischung. Rangelnde Kinder auf der Straße, Szenen amDorfbrunnen sowie
8.4 Werbefilmproduzenten imPorträt 173
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur