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WiederholtwarbReich fürdenEinsatz vonWerbefilmenundbelegte imRahmenvon
Vorführungen, die ermit Vorträgen begleitete, die Qualität der heimischenReklame-
undPropaganda-Filmproduktionen.809Ab1933schienerzudemalsAusschussmitglied
derFilmsektionderWienerAllgemeinenGewerbegenossenschaftauf.810
RobertReichvertratdie InteressenseinerBranche inverschiedenstenFunktionen:
Angesichts derErrichtungder „StaatlichenFilmhauptstelle“ (FHS) stellte er sich einer
verbalenAuseinandersetzung,welchedieprivatenFilmerzeuger gegendie staatlichen
Behörden führten,und trat unter anderemvehement gegendieBehauptungauf, dass
die heimische Filmindustrie nicht in der Lage wäre, Lehrfilme zu produzieren.811 Er
setzte sich nachhaltig für eine Filmkontingentierung ein, übernahmwiederholt den
Vorsitz bei Lohnverhandlungen der Branche und konnte als Delegierter des Bundes
vorteilhafteVereinbarungenmitdendeutschenVerbändenerzielen.812AlsDirektordes
ÖLFD führte er etwa 1932 imAuftragdesUnterrichtsministeriumsVerhandlungenmit
der deutschen „Ufa-Filmproduktion“hinsichtlich der Verwertung von Lehr- undKul-
turfilmen in Österreich. Es kam letztlich zu einem entsprechenden Übereinkommen,
wobei Reich sowohl den Verleih der Ufa-Filme als auch einiger „leistungsfähiger
SchmalfilmapparatedeutscherProvenienz“übernahm. Inder Folge fasste er denEnt-
schluss,selbst indieProduktionvonLehr-undKulturfilmeneinzusteigen.813
ReichsvielfältigeFunktionenundÄmterundderdamitdurchausverbundene
Einfluss in der Branche stießen bisweilen aber auch aufWiderstand in den Rei-
hen seiner Konkurrenten. So führte eine Reihe von Kurzfilmherstellern 1933
Beschwerde gegen Reichs Exklusivstellung bei der Gesellschaft „Selenophon
Licht- und Tonbildgesellschaft m.b.H“ hinsichtlich der Erzeugung von Reklame-
filmen.814 Um die Jahreswende 1933/34 warfen zwei Vertreter des Filmbeirats
ihrem Kommissionsmitglied Reich vor, sich – über eine falsche Datierung – für
809 Österreichische Film-Zeitung, „Propaganda-Filme“, Nr. 4, 25. Jänner 1930, S. 17 sowie ebd.,
„DasKinoundderTonfilmimDienstederWerbung“,Nr. 50, 10.Dezember1932,S.4.
810 Österreichische Film-Zeitung, „Filmsektion der Wiener Allgem. Gewerbegenossenschaft“,
Nr. 27, 8. Juli 1933, S. 2.ÖStA,AdR,BMHV, 581c,Ktn. 3483, Zl. 99935,Ggstd.:KonstituierendeVer-
sammlung der bei der Wiener Allgemeinen Gewerbegenossenschaft inkorporierten Filmerzeuger
undVerleiher, 11. Juli 1933.
811 ÖStA, AdR, Staatskanzlei-BKA, alt, Varia, Staatl. Bundes-Film-Hauptstelle, 1919, Ktn. 234, Zl.
809/102, 809/103, 809/106, Ggstd.: Stellungnahme der Privat-Film-Industrie zur staatlichen Film-
Hauptstelle, Juni/Juli 1919.
812 Österreichische Film-Zeitung, „Robert Reich, Direktor der Österreichischen Werbefilmgesell-
schaft“,Nr.9, 23.Februar 1929,S.66.
813 ÖStA,AVA,BMU,Volksbildung:Film,1932,Ktn.489,Gschz. 1717-II/10b,1932,Ggstd.:Filmabtei-
lung; Verhandlungenmit der „Ufa“ (Universum-FilmA.G.)wegen kommissionsweiserÜbernahme
ihrerLehrfilmedurchdieFilm-Abt., Jänner 1932.
814 Beschwerdeführer waren hierbei Gustav Mayer, Rudolf Lechner, Wilhelm Hipssich,
LotharRübelt,KarlKöfinger,HansBrückner,BrunoLötschundEgonLahousen.Siehedazuauchdas
Kapitel „Umbrüche: TechnischeNeuerungen,Monopole,Kontingentierung, staatlicheVorgabenund
Abhängigkeiten“.
186 8 DieWerbefilmproduzenten:Etablierung,Organisation,Einflusssphären
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur