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Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
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didaktisch-fachliche InhaltemitkörperlicherSituationskomikundsetztaufSolidarisie- rungsmechanismen von Seiten des Publikums. Über die Schwächen und das Unge- schick des Komikers – als gesellschaftlichen Außenseiter – können die Zuschauer lachen,zugleichempfindensie für ihnEmpathieundidentifizierensichmit ihm.839 Seff begibt sich stellvertretend für dasPublikumaufEntdeckungsreise. In teils anarchistischerManier–einemKindgleich,daskeineGrenzenkennt–erforschter die technischeModerneundnimmtdemZuschauer einwenigdenRespekt vor der maschinellen Übermacht. Die Angst wird zwar genommen, zugleich aber die Be- geisterung für die mechanische Leistungskraft gestärkt. Die technischen Aufnah- menwerden vonpantomimischenKommentaren begleitet: Seff (stets inNah- oder Großaufnahme) reißtAugenundMunderstauntauf,grinst inseligerHingabe, reibt sich verzückt die Hände. Seine Gebärden geben Gefühle und Reaktionen vor, die dasdemKomikergegenüberstehendePublikumnachempfindenkann.840 Seffs körperliche Durchschnittlichkeit schafft gleichfalls Nähe. An ihmmuss man sich nicht messen, anders als es die Sport- und Körperkultur der Zwischen- kriegszeit vorgab.841 Schonder Filmtitel persifliert das propagierte neueKörperbe- wusstsein. Der KulturfilmWEGE ZU KRAFT UND SCHÖNHEIT (D 1925/26) suggeriert die Notwendigkeit, den von der industriellen Massengesellschaft eingeengten Körper sportlich zu fordern, zu formen und zu befreien, um einem „natürlich harmoni- schen“, vorallemgriechisch-antiken Ideal zuentsprechen. InSEFFAUFDEMWEGEZU KRAFT UND SCHÖNHEIT stehen Natur und Industrie jedoch nicht in einem Wider- spruch. Das natürliche, heimische Produkt wird industriell bearbeitet, qualitativ aufgewertet und beeinflusst schließlich die körperliche Erscheinung positiv – so dieBotschaftdesFilms.DerMilchkonsumgibtKraft,diesportlichaktiveBetätigung wirddadurcherstermöglicht.DievonSeffaufgrundihrerkörperlichenErscheinung zurategezogenenAthletinnenundAthletenantwortenaufdieFrage,woher sie ihre Stärke beziehen, nicht etwamit „Sport!“, sondernmit „Milch!“. Der Vergleich der Körpermacht diese Schlussfolgerung auch plausibler. Seff versuchtmit den Läuf- erinnen und Läufern Schritt zu halten, er ahmt Körperhaltungen nach. Von den Internationale Germanistik, Jg. XVI, Heft 2, Bern/Frankfurt am Main/New York 1984, S. 13 f.McGhee,PaulE./Goldstein, J.H., ThePsychologyofHumor: Theoretical Perspectives andEmpiri- cal Issues,NewYork1972,S.61–80. 839 Für Ekmann ist eine Solidarisierungmit dem Verlachten die Voraussetzung dafür, dass die Komik als humoristisch und nicht als satirisch wahrgenommen wird. Ekmann 1984, 20–21. Vgl. dazuauchSeeßlen1976,S.9. 840 DienachfolgendenAusführungen entsprechenüberweite Teile hinweg einerAnalyse, die von der Autorin dieser Arbeit 2012 erstellt und veröffentlicht wurde. Siehe: Moser, „Hygienisch - gesundheitsfördernd–schmackhaft“,http://www.medienimpulse.at/articles/view/641, (30.11.2014). 841 Zur Sport- und Körperkultur der 1920er- und 1930er-Jahre siehe u.a. Wedemeyer-Kolwe, Bernd: „Ein Ereignis für den ganzen Westen“. Körperkultur in Weimar zwischen Öffentlichkeit, Kunst und Kultur, in: Cowan, Michael/Sicks, Kai Marcel (Hg.): Leibhaftige Moderne. Körper in KunstundMassenmedien1918bis 1933,Bielefeld2005,S. 187–199. 8.4 Werbefilmproduzenten imPorträt 195
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Der österreichische Werbefilm Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Title
Der österreichische Werbefilm
Subtitle
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Author
Karin Moser
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-062230-0
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
316
Keywords
Culture of memory, media history, advertising
Category
Kunst und Kultur
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