Page - 207 - in Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Image of the Page - 207 -
Text of the Page - 207 -
es – nur „in verhältnismäßig seltenen Fällen der richtige Ort für den ‚sachlichen‘
Werbefilm“.881 Gemeint waren belehrendeWerbefilme, die vor allem im Rahmen
einer „non-theatrical exhibition“ zur Vorführung kamen.882 Diese Form der film-
ischen Reklame, der Behörden undmanche Fachblätter gleichfalls einen kulturel-
len und belehrenden Charakter zubilligten, wurde wiederholt mit den Termini
„vornehm“,„gediegen“,„ernst“versehen.883
NochimmerhattedieReklamemituntergegendenVorwurfzukämpfen,„unse-
riöse Arbeitspraktiken“ und „marktschreierisches Gebaren“ zu zelebrieren.884 In
den 1930er-Jahrenwurden in einemGesetzesentwurf sogarmoralische Regeln für
denWerbefilmwie folgt festgelegt (mitdemHinweis,dass„fürdieFilmreklamedie
gleichenGrundsätze“galten„wie fürdieFilmbilderselbst“):885
1. „Unanständige,obszöne,gemeineReklamedarfnichtverwendetwerden.“
2. „Weder der nackteKörper, nochderKörpermit denunbedeckten intimenPar-
tiendarfverwendetwerden.“
3. „Der halbnackte Körper soll nicht verwendetwerden, oder nur dann,wenn es
inÜbereinstimmungmitdenobenaufgezähltenGrundsätzengeschieht.“
4. „Reklame,durchwelchedasVerbrechenverherrlichtwird, istauszuschalten.“
5. „Reklame, welche ein Dreiecksstück suggeriert oder Aufschriften verwendet,
dievonbedenklicherMoralzeugen,oderReklame,diedieAufmerksamkeitdes-
halbauf sich lenkt,daßeinStück ‚heiß‘, ‚gewürzt‘usw. ist, istnichtnurunmo-
ralisch und irreführend, sondern sie setzt sich auch hinsichtlich des Inhaltes
einesFilmesmitderöffentlichenMoral inWiderspruch.“
6. „Tanzkostüme,welche imFilmnichterlaubtsind,dürfenauchbeiderReklame
nichtverwendetwerden.“
7. „Für leidenschaftliche Szenen, Kußszenen usw. gelten die allgemeinen
Grundsätze.“
Als „geschmacklos“ empfundenwurde aber auch eine allzu plumpe, augenfällige
Filmwerbung“, weshalb die Kurzfilmhersteller verstärkt dazu tendierten, dieWer-
bepointe undÜberraschung an das Ende zu setzen.886 Auf dieses Phänomen ging
man1929auch ineinemeigenen„Werbefilm-Magazin“ein:„ImGrundegenommen
881 Österreichische Reklame, „Josef Wilhelm Farnik: Der technischeWerbefilme“, Nr. 11/12, No-
vember/Dezember1929,S. 51.
882 Vgl. dazudasKapitel „Non-theatrical exhibition“: DerWerbefilmeinsatz außerhalbdes regu-
lärenKinobetriebs“.
883 Ebd. sowie Filmkunst, „VomReklamebild zurwissenschaftlichenAufnahme“, Nr. 26, 26. Juni
1914,S. 1 f.
884 SiehedazudasKapitel„InstitutionalisierungderösterreichischenWerbebranche“.
885WKW,Filmakten, Paket 3173/1,M 1, „Gesetzmitwelchemdie Filmproduktion geregeltwird“,
1935–1937,Rubrik„Reklame“,S. 13.
886 Der Filmbote, „DerKinematograph imWerbefilm“, Nr. 24, 12. Juni 1920, S. 16–18. Siehe dazu
auch:Contact,„WerbungdurchdenFilm“,Nr. 12,Dezember1933,S. 17.
9.1 VorführbedingungenundStilfragen 207
back to the
book Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938"
Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur