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ansprechendeBespielebesonderskunstfertigerKünstler brachten.Viele Sujets fan-
densich inderKinoreklame(obalsDiaoderFilm)wieder.926
Derschiergrenzenlose IdeenreichtumdesAnimationsfilms fasziniertedieAuto-
rinnenundAutorenderBranchenblätter, die immerwiederhervorhoben,dass sich
diese Kunstform „für alle Arten von Propagandafilmen“ eignete, speziell aber der
Werbung„ungeahnteMöglichkeiten“biete.927Oft schonhättensichTrickfigurenzu
„Filmlieblingen“ entwickelt928– einUmstand, den sich auchwerbendeFirmenzu-
nutzemachenkonnten.DieaufwendigeundpräziseHerstellungstechnikwurdede-
tailreich geschildert: Jede Bewegung der Gliedmaßen „wird in ihren kleinsten
Stationen, inmillimeterweisemVorrücken gezeigt“. Dabei kämen auf einenMeter
Film 26,mitunter 52 angefertigte Bilder. Für einen Film von etwa siebenMinuten
benötigtemanzwischen8.000und10.000Zeichnungen.929
Jedem Trickfilm lagen zudem sorgfältige Vorbereitungsarbeiten, wie etwa ein
umfassendesManuskript, zugrunde.DieEinstellungenwurdenvorab festgelegt,die
Anzahl der Bewegungen–mitunter schonmit eigenenMusikern– berechnet, um
denRhythmuszu treffen.DennderZeichnermusste imVorfeldwissen,„inwievie-
lenTakten,die eineoder andereBewegungvor sichzugehen“hatte. Probeaufnah-
mentrugendazubei,diegenaueAusführungvorwegnochmalszuüberprüfen.930
DasweitereVerfahrenderFilmherstellungwurde1925 imKino-Journalwie folgt
dargelegt: „Der Operateur sitzt nun am ‚Trickaufnahmetisch‘, etwa 60 Zentimeter
über sichden feststehendenAufnahmeapparat, rechtsneben sichdasQuecksilber-
dampflicht, das zu allen Filmaufnahmendient; er legt einBlattmit der Zeichnung
aufdenTischundknipst zweimal,daswiederholt erbei jedemderunzähligenBlät-
ter in genauer Reihenfolge der Bewegungsstufen [. . .]. Selbstverständlich müssen
die Zeichnungen haarscharf einander decken, sowohl die Zeichnung als auch die
Stärke der Auszugslinien, sonst erscheint auf der Leinwand ein Zittern, das jeder
Kinobesucher ja kennt. Ebenso muss auch das Licht immer die gleiche Stärke
haben,wennnicht,wasgleichfalls oft beobachtetwird,derunangenehmeWechsel
vonhellunddunkelaufderLeinwandeintretensoll.“931
926 Reklame-Praxis (Stuttgart-Cannstatt), „Mehr Leben in die Kino-Reklame“, Nr. 8, April 1927,
S. 241.ÖsterreichischeReklame,„DarPeterEng!“,Nr. 11/12,Mai/Juni 1928,S. 7–9.Ebd.,„PeterEng:
ErfolgmodernerWerbepsychologe“, Nr. 7, Juli 1929, S. 17. Ebd., „MaxFleischhacker“, Nr. 1, 1931,
S. 16–18.
927 DasKino-Journal,„DasGeheimnisdesZeichen-undTrickfilms“,Nr. 786, 1925,S.6.
928 DasKino-Journal,„Papierspricht“,Nr. 11281932,S. 5 f.
929 DasKino-Journal,„DasGeheimnisdesZeichen-undTrickfilms“,Nr. 786, 1925, S. 6, Ebd., „Pa-
pierspricht“,Nr. 11281932,S.5 f.
930 DieWienerBühne,„AtelierWozak“, Juli 1938,S. 29.
931 DasKino-Journal, „DasGeheimnis des Zeichen- undTrickfilms“, Nr. 786, 1925, S. 6. Die zwei-
maligeAufnahmejedesBilds,bzw. imSachtrickfilm jedesObjekts, lässtdie jeweiligeBewegungfür
dasmenschlicheAugenatürlichererscheinen.Vgl. Schoemann,Animationsfilm,S.31.
9.3 Animationskunst 215
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur