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Schwedenplatz–Stephansplatz–Oper (Linie„II“) sowieBellaria–Stephansplatz–Börse
(Linie„–“).976Die imJahr1924neueingeführtenLinienfindensichimFilmwieder.
JA, WARUM FAHRNS DENN NET? folgt wie die „Pickerl-Serie“ demPrinzip Exposi-
tion–Komplikation–Auflösung–Coda–Folgerung.EingrantelnderWiener läuft
verzweifelt und erschöpft durch die Stadt, wird schließlich von einemExekutivbe-
amten auf die neuen Buslinien hingewiesen, zögert, wird von einemBusfahrer in
das Verkehrsmittelt gelockt, schließlich gezogen. Er erkennt die Bequemlichkeit
desGefährts, InformationenüberRoutenundKostenwerdengeliefert.
DerAufbau ist demnachmit der Printwerbung ident, in derUmsetzung finden
sich jedochUnterschiede. In der Aufkleber-Versionwird auf die grafischeAusfüh-
rungmehrWert gelegt, Details werden genauer herausgearbeitet. Der Film, in der
von Eng bevorzugten Legetricktechnik,977 setzt auf Bewegung,Wiener Idiom und
wehmütig-beißendenHumor,womitdieMöglichkeit geschaffenwird,derFigurdes
missmutigenWienersmehrGestaltungsraumzugeben.
EinegrobskizzierteSzeneriebietet zuBeginndenHandlungsrahmen.Mitweni-
genStrichenistdieSilhouetteeinerStadtangedeutet,derstilisierteTurmimHinter-
grund stellt den Stephansdom dar und verortet damit das Geschehen in Wien.
Perspektivisch quer läuft eine angedeutete Straße, eine zweite parallel zum hori-
zontalen Kader. Die nachfolgend durch das Bild fahrenden Objekte weichen aber
mitunter völlig von den vorgegebenen Weg-Linienführungen ab. Ein Radfahrer
kommt von der Ferne ins Bild gefahren, geht links ab. Unmittelbar darauf schießt
eine Straßenbahnnach rechts ins Bild. Sobald diese aus demBlick fällt, folgt eine
weitere Tram von rechts. Neben dem Fahrer finden sich eine Frau mit Kopftuch
sowie drei Männer im Zug. Einer der männlichen Passagiere lässt sich aufgrund
seinerKopfbedeckungmitHahnenschwanzalsHeimwehrangehörigerausmachen.
Nuntrittder stilisierteWienerauf.Erwirkt imVergleichzuseinemPendantauf
den Aufklebern etwas jünger und weniger gediegen. Sein zerknautschter Hut ist
eines seinerMarkenzeichen. Er ist hell gekleidet, hat diesmal keinen Stock dabei,
diekorpulenteFigur,dieGlatzeundderZwirbelbart sind jedochgeblieben.Er– im
VergleichzuderStraßenbahnunddenPassagierenüberdimensioniertgezeichnet–
springt vom Zug, hält inne und erläutert sein Problem –, nicht wissend, dass es
BussezurWeiterfahrt gibt:„Servas, jetzt kann idurchdieganzeStadt–hatschen!“
Nachfolgend wird der Dauerlauf „Quer durch Wien“ (Zwischentitel) visuell de-
monstriert. Während der Mann denWeg entlangläuft, verliert er seinen Hut, die
Fäustesindgeballt,Anstrengungwirdemonstriert,dasGesichtwirktbisweilenaus-
gezehrt (lang gezogen). Dazu kommt der Unmut, das Gefühl, „zu kurz gekommen
Grundwar die Schaffung des Dr. Karl-Lueger-Platzes. Vgl.: https://www.wien.gv.at/wiki/index.
php?title=Weiskirchnerstra%C3%9Fe,7.Dezember2016.
976 DieBuslinienerhieltendamalsBuchstabenoderSymbolzeichen.
977 ZurLegetricktechniksieheauchdieAusführungenbeimFilmDERSTIEFELPUTZERALSLIEBESAMOR
(A1924),Unterkapitel„KarlKöfinger“.
224 9 Der„ideale“Werbefilm
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur