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zusein“–undschulddaranhabendieanderen, jene,die sicheineAutomobilfahrt
leistenkönnen. InseinerVorstellungkeineEinheimischen, sondernTouristen:„Die
Fremden, die können imAuto fahr’n–unseransmuass rennen.“Dieper Legetrick
bewegtenGliedmaßenwerden immer schneller, dieArme rudernwild, drehen sich
durch,derHut springt (vonhintenkommend) von selbstwieder aufdasHauptdes
Wieners, erwirdvondereigenenHastgeradezuüberrolltundformiert sichzueiner
Körperkugel,dienundieStraßeentlangkullert.
DieSzenerieändert sich: ImHintergrund läuft eineRealfilmaufnahmeeinerbe-
lebten Straßenkreuzung (Ringstraße, vermutlich Ecke Parlament). Genau in der
Mitte wird das Bild von einer Animation durchtrennt: Ein Polizist steht auf der
Straßeund regelt denVerkehr. Er blicktnach links, die „Körperkugel“ rollt auf ihn
zu, stößt an ihnan.DerWiener steht aufundblicktdenBeamtendirekt an.DieRe-
alfilmszene läuft imHintergrundweiter: regerVerkehr,PassantenkreuzendenWeg
und blicken in die Kamera. Die animierten Figuren begrüßen einander und treten
in einenDialog ein.Aufgeregtmit denHändenartikulierend, suchtderWiener sei-
nenFrust gegenüber den anderen, den „Bessergestellten“, zu argumentieren: „Die
Fremden fahrt der Herr Magischdrat in die Autos spaziern und imuaß durch die
Stadt rennen wie an Anspannaroß!!!“Der Polizist erwidert ruhig, die linke Hand
offen haltend, Entgegenkommen demonstrierend: „Ja, warum nehmens denn net
an–Autobus?“ InNahaufnahme-AnmutungwirdnunderKopf desMannes einge-
sehen– imHirnhabensichvierAutobusse formiert,die sichdurchseineGedanken
bewegen.Ersinniert:„Sowasgibtsbeiuns inWien????“
Wir finden uns nunwieder in der Anfangsszenerie (Stadtsilhouette, Fahrbah-
nen). Der Mann hebt seinen Hut beschwingt auf, Letzterer ist nun gespannt und
weitweniger zerknittert.DerWienerblicktnach links, scheintmitdemrechtenZei-
gefinger zu deuten. Nochmals folgt das Kopfbild in Nahaufnahme, er blickt nach
oben, denkt nach. Links oben im Bild erscheinen in Abfolge die Gedankenzeilen:
„Soll ich?Soll ichnicht?Soll ich?“Wieder inhalbtotalerPerspektive:EinBus fährt
imRückwärtsgangaufdenMannzuundhält.AmoberenTeildesFahrzeuges findet
sichdieAufschrift:„WarumdurchdieStadtzuFuss? [sic!]Gibt’sdennkeinenAuto-
bus?“DerLenkergehtzumhinterenTeildesBusses,blicktausdemFenster,bedeu-
tetdemZögerndenmitdemrechtenZeigefinger, ins Innere zukommenundspricht
denängstlichenMann(dasGesichtverzieht sich,derHutbeginnt stellvertretendzu
knittern und zu zittern) an: „Freinderl, unsre Autobus san net zumAnschaun da,
sondern zum Fahrn!!!“ Er nimmt denWiener bei der Hand und zieht ihn in das
Fahrzeug, das sich in demMoment inBewegung setzt. Eine Straßenbahn (mit den
Passagieren von zuvor) fährt hinter dem Bus durch das Bild. Das Kraftfahrzeug
schießt schließlich indieFernedavon.EinZwischentitel–„S‘geht ja großartig!“–
leitet die nächste Szenerie ein. Neuerlich verbinden sich Real- und Trickfilm. Die
realenSzenenamRingbildendenHintergrund, imMittelteil ist dieAnimation:Der
Wiener blickt aus demRückfenster eines Busses.Wieder findet sich ein erläutern-
der SchriftzugamoberenundunterenTeil des Fahrzeugs: „Benützt denAutobus.“
9.3 Animationskunst 225
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur