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Der geläuterteWiener blickt freudestrahlendausdemBus, erwinkt, zieht denHut
zumGruß.
NachknappzweiMinuten folgtnunder informative, erläuterndeTeil desRekla-
mestreifens.Parallel zurAufkleber-SeriewerdendieFragen„WofährtderAutobus?“
und„WaskostetderAutobus“erläutert, allerdings–demMediumgeschuldet–aus-
führlicherundanschaulicher.Die einzelnenStationen (Stephansplatz,Oper, Schwe-
denplatz,Bellaria,Börse,Wollzeile)mit ihrenEinstiegstellenwerdenpräsentiert.Die
jeweiligenStraßenszenenvermittelnVerkehrssituationen,StadtbilderundAlltagssze-
nerie,wiemansie inden filmischenQuellennur selten findet: teils völligungeregel-
tes Verkehrstreiben in der Inneren Stadt, dahineilende Passanten, Pferdefuhrwerke
zwischen Automobilen, baulich noch gänzlich anders gestaltete Räume. Etappen-
weise erfolgt eine detaillierte Anleitung zur Nutzung der Buslinien. Stationen und
LinienbenennungmitWegstrecken (imFilme„Signale“genannt)weisenaufZusteig-
möglichkeiten und Routen hin. Der Erwerb von Karten wird demonstriert: Bei der
Haltestelle Börsewird von einemFahrgast vor demEinstieg ein Ticket beimChauf-
feur erworben.AucheineKartenverkaufsstellebeiderStation „Stephansplatz“ ist zu
sehen. Hier wie bei den Endstellen finden sich auch Tafelnmit den jeweiligen Ab-
fahrtszeiten. Laut Hinweisschild beginnt der Betrieb um 7 Uhrmorgens, der letzte
BusverlässtdieStationum19Uhr.
Schließlich wird auch imWerbefilm der „Paradewiener“ zum Informations-
lieferanten.WieaufdenKlebern steht er aneinerTafelundweistmit seinerHand
auf den erläuterndenText (inKurrentschrift): „Zum (vom)Stephansplatz: 10Gro-
schen! Durch die ganze Stadt: 20 Groschen!“Der sich schnell hin undher bewe-
gende Kopf der Animationsfigur dreht sich schließlich im Kreis (dreht ‚sich‘
durch) und demonstriert damit neuerlich das preisgünstige Angebot. Der Mund
desWiener Prototypenöffnet und schließt sich in rascherAbfolge, vermittelt den
Eindruck, alswolle derManndieBotschaft laut verkünden. DerGrantler legt sei-
nenMissmutnunvöllig ab, lächelt breit, verschmitzt undsteckt abschließenddie
Hand innapoleonischerManier indas Jackett.AndieserStelle,nachvierMinuten
undneunSekunden,endetderFilm.DienachkurzerUnterbrechunganschließen-
den Szenen,wie sie sich auf der Filmrolle imBestanddes FilmarchivAustria fin-
den, zeigen vielartige Aufnahmen von städtischen Bussen, die sich vornehmlich
imBereich InnereStadtundRotundebewegen,präsentiereneineRemisederWie-
ner StraßenbahnenundBusseund zeigen amEnde einenVerkehrspolizisten, der
verschiedenste Signalzeichen mit den Armen vorführt. Die allerletzte Szene de-
monstriert gefährlicheAufspringmanöver vonPassanten,wobei einer derMänner
unter die Räder des Busses kommt. ZweiMänner eilen zuHilfe. Damit endet die
Sequenz.Dieser etwadreiMinutendauerndeTeil dürftemit demWerbefilmnicht
direkt inVerbindungstehen.Es scheint sichumeineArtLehr-bzw.Verkehrserzie-
hungsfilm zuhandeln, demder Reklamefilm zur Einleitung vorangestellt worden
war.Darüber, obdieseFilmteile ineinemZusammenhangmitderEng-Produktion
zur„Wiener InternationalenMesse“ 1923stehen–diezahlreichenAufnahmendes
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur