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zurück, umProdukte zu bewerben. Vor allem technischeAbläufewurdenperAni-
mation vereinfacht und mit einer kindlich zauberhaften Atmosphäre versehen.
Wozak und Thomas ließenwiederholt sagenumwobeneWesen auftreten: Im Film
DASHAMMERBROT-SCHLARAFFENLANDbedienenWichtel inBäckerkleidungMaschinen
zur Brot- und Gebäckwarenerzeugung. Auch betreiben sie ein „Rosinenflugzeug“,
das perMaschinengewehr das getrocknete Gut in die süßen Backwaren feuert. In
DER RADIO-AUTOMAT wird die Funktionsweise des Gerätsmittels Heinzelmännchen
erklärt,diedenApparatzusammenbauenundinBetriebnehmen.994
Animationen dienen auch immer wieder dazu, humoristische Akzente zu set-
zen.Was bei realenMenschen überzeichnet wirkt, kann bei gezeichneten Figuren
einengewissenCharmeundWitz insich tragen.MitunterermöglichtderTrickauch
eine pointierte, leicht fassbare Beweisführung. Ein Beispiel aus den 1920er-Jahren
sei hier angeführt. Der Werbe- und Kulturfilm HOPFEN UND MALZ, GOTT ERHALT’S
(A ca. 1929)995 erläutert den „WerdegangdesBieres“ vonderGewinnungdesGers-
tensaftsbiszurKonsumationdesGetränks imBiergarten.DerSchlussappell„Trinkt
österreichische Biere. Ihr fördert dadurch ÖsterreichsWirtschaft!“weist den Film
alsTeilderGemeinschaftswerbekampagne„KauftösterreichischeWaren!“aus.996
Anders als in zahlreichen anderen Reklamefilmen steht der Konsum des Pro-
duktsnichtamEndedesFilms.DerBiergartenszene folgenTrickfilmsequenzen,die
in „drei lehrreichen Kapiteln aus dem alltäglichen Leben“ die positiveWirkungs-
kraft desGetränks bezeugen sollen.997 Episoden aus dem „Alltag“desMalersNazi
Schmächtig,998 des Ehepaars Schnippe und des Junggesellen Leberecht wollen in
launigemStilundvongereimterklärendenZwischentitelbegleitetdie inspirierende
undgesundheitsförderndeKraftdesGerstensaftsunterBeweisstellen.
Szene eins soll denAufbau dieser Trickteile beispielhaft veranschaulichen: Der
mit schütteremHaar skizzierte Künstlerwandelt in seinemAtelier unruhig hin und
her („Nichts fällt ihm ein – sein Kopf ist leer. Nervios [sic!] seinmacht dasMalen
schwer“). In seinerVerzweiflungsinkt eraufdenStuhlnieder, legtdieHandanden
Kopf.Ein jungerBurschebetrittdenRaummiteinemproportionalzugroßgezeichne-
tenBierkrug („ZumFrühstückbringtderSchanihier.EinschäumendfrischesKrügerl
Bier!“).Mit nur einemZugwirddasGlas geleert („Kaum ist es ausgetrunken– seht:
Schwupps! JederNervenschmerz vergeht!“).DasMotivder rollendenAugenalsAus-
druck der Freude wird mehrfach wiederholt. Der Künstler geht zur Staffelei und
994 Vgl. dazuauch:Renoldner,AnimationsfilminÖsterreich– 1832,S.75,88.
995 HOPFENUNDMALZ,GOTTERHALT’S (Aca. 1929),Produktion:unbekannt,Laufzeit; 25Minuten.
996 ZuderAktion„KauftösterreichischeWaren!“sieheauchdasKapitel„Kultur-undWerbefilm“.
997 DienachfolgendenAusführungenentsprechenüberweiteTeilehinwegeinerAnalyse,dievon
der Autorin dieser Arbeit 2012 erstellt und veröffentlicht wurde. Siehe: Moser, „Hygienisch -
gesundheitsfördernd–schmackhaft“,http://www.medienimpulse.at/articles/view/641(30.11.2014).
998 Es istdavonauszugehen,dassessichhierumdieKoseformfür Ignazhandeltundkeinepoliti-
schenBezüge intendiertwaren. 9.3 Animationskunst 231
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur