Page - 234 - in Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Image of the Page - 234 -
Text of the Page - 234 -
wiederverwertet. In diesen Produktionen finden sich oftmals vielgesuchte Alltags-
szenerienoder–bezogenaufdieTourismusfilme–Städte-undLandschaftsaufnah-
men, die bei Kultur-, Dokumentar- oder Spielfilmen eine neuerliche Verwertung
fanden. Filmmaterial war teuer, in Zeiten des Kriegs und in den Jahren danach
Mangelware.1002DieWiederverwertungvonSequenzenausReklamefilmen,dienur
flüchtig eingesetzt wurden, lag somit ökonomischen Bestrebungen zugrunde. Bei
denKurzfilmherstellern der Periode bis 1938, die parallelWerbe-, Industrie-, Lehr-
undKulturfilmeproduziertenunddabei nicht selten auf dasselbeMaterial zurück-
griffen,wardiesgangundgäbe.
Ohne das Quellenmaterial „Werbefilm“ ist es jedoch oft unmöglich festzustel-
len, obFilmtitel, die sich inAkten oder Zeitungen finden, demGenreReklamefilm
zuzuordnen sind. Der Titel ZUMMÖRDER GESTEMPELT (A 1920) lässt möglicherweise
auf ein Drama, ein Kriminalstück schließen. Erst die Erläuterungen in Paimann’s
Filmlisten geben zu erkennen, dass es sich umeinenWerbefilmhandelte: „Humo-
reskemit sehr guten, komischenSzenen Josef Königs als Ehemann, der betrunken
nach Hause kommt und wegen des festen Schlafes seiner Frau als [sic !]
deren Mörder gehalten wird. (Reklamefilm)“1003 Der Film bewarb ein Bett, das
einenso tiefenSchlafnachsichzog,dassnichterkennbarwar,obdieGattinschlief
oderbereitsentschlafenwar.DerarterklärendesMaterial liegtaber ineinerVielzahl
derFällenicht vor.1004Ebenso lässt sichüberdenTitel alleinnicht feststellen,wel-
chesProduktbzw.welcheDienstleistungbeworbenwird.Selbstwennaufgrundder
AngabederProduktionsfirmaoffensichtlich ist, dass es sichumeinenReklamefilm
handelt, lassen Titel wie PUSZTAKLÄNGE (Hersteller: Hans Ludwig Böhm)1005 oder
ALLE NEUNE (Hersteller: Adi Mayer’s Filmbüro)1006 viel Raum für Spekulationen.
Eine genaue Zuordnung der jeweils werbenden Branche bzw. die Zuordnung zu
KonsumgütergruppenistbeieinerVielzahlderFilmedaherunmöglich.
Oftmals fehlt inFachzeitungenundAktenmaterialienaber auchderHinweis auf
die ausführende Filmproduktion, womit die eindeutige Identifizierung einesWerbe-
films als „österreichisch“nichtmöglich ist. Soweisen dieVerzeichnisse desWiener
1002 PeterMayer, der Sohn desWerbefilmers AdolfMayer und über Jahrzehnte Leiter des Fami-
lienbetriebs„AdiMayerFilm“,berichtete ineinemGesprächmitderAutorinam23.November2009,
dass seinVater auchnachdemZweitenWeltkriegFilmmaterialwiederverwertete– selbst belichte-
tesMaterialdurchManipulation.
1003 Paimann’sFilmlisten,Nr. 243,25.November1920,o.S.
1004 Paimann’s Filmlisten erschienen seit 1916, konzentrierten sich allerdings auf das Kino-
HauptprogrammundwiesenReklamefilmemehrheitlichnichtaus.
1005 Der Filmwarb für dasWeinhaus Pataky. Siehe dazu auch das Unterkapitel „Hans Ludwig
Böhm“.
1006 Der Filmwarb für dieWiener Gaswerke. Siehe dazu auchdasUnterkapitel „GustavMayer /
AdolfMayer“.
234 10 Leerstellen
back to the
book Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938"
Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur