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Auchheimische Filmpionierewie das TeamKolm-Veltée-Fleck oder SaschaKo-
lowrat-KrakowskyerzeugtenStädte-,Landschafts-undIndustrieaufnahmen.Die„Sa-
scha-Filmfabrik“ richtete im Verlauf des ErstenWeltkriegs mit der „Sawerb“ sogar
eine eigeneWerbefilmabteilung ein. 1914 ließ sich inWiennicht nur ein erstes „Re-
klamefilminstitut“, sondern auch eine Verleihfirma, die unter anderemWerbefilme
imRepertoire führte, nachweisen.Der erstenocherhalteneKonsumwerbefilmöster-
reichischerProvenienz(WIENINETTEZU IHREMAUSGANGKAM)entstandimJahr1913und
bewarbeinheimischesWaschmittel.
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs kam die Werbefilmproduktion für
Konsumgüter zu einem Stillstand. Trotzdemwaren die Jahre 1914 bis 1918 für die
EntwicklungdesMediumsvonRelevanz.DerEinsatzdesneuenPropagandamittels
wurde intensiviert, in der Folge fandderwerbende Filmbreitere Akzeptanz in der
Bevölkerung. Produziertwurdennun insbesonders patriotischeKriegsanleihe- und
Industriefilme,wobei Letztere die Leistungskraft der tatsächlich bereits angeschla-
genenWirtschaftnachhaltigbeschworen.FilmemitwirtschaftswerbendemCharak-
ter dienten aber nicht nur der Hebung derMoral in den eigenen Reihen, sondern
hattenauchdasAnsehenderMonarchie imAusland, imSpeziellen im „neutralen“
Teil, zustärken.Aufdie Innen-undAußenwirkungderpolitisch-ideologischausge-
richtetenWirtschaftswerbungachtetemanstetsmitBedacht.
DieengeBindungundVerflechtungvonPolitik,WirtschaftundWerbefilmfand
inderErstenRepublikwieauch imaustrofaschistischen„Ständestaat“ ihreFortset-
zung. Die imMärz 1919 begründete „Staatliche Filmhauptstelle“ (FHS) hatte indes
den Auftrag, Filme zur Bewerbung „deutschösterreichische[r] Interessen aller Art
im In- und Auslande“ zu produzieren. Demzufolge erzeugte die FHS Fremdenver-
kehrsfilme sowie Industrie- undBranchenwerbefilme (etwa fürdieWienerModein-
dustrie).UmdemstaatlichenBetrieb aber auch sichereEinnahmenzugarantieren,
übernahmdieFHSzudemReklamefilmaufträgeausderPrivatwirtschaft.
Die politischen Kräfte zeigten spezielles Interesse daran, die Vision einer er-
starkenden österreichischenWirtschaftskraftmedial umzusetzen. Filme, die heim-
ische Qualitätswaren, österreichische Landschaften, Kultureinrichtungen und
Brauchtümer sowieneue technischeErrungenschaften inÖsterreichsBetriebenbe-
warben, waren gewünscht, konntenmit Förderung rechnen undwurdenmitunter
von staatlicher Seite in Auftrag gegeben. Als ein Beispiel wäre hier etwa die „Buy
national“-Kampagne„KauftösterreichischeWaren“zunennen,die 1927seitensdes
Handelsministeriums initiiert wurde. Im Zuge diverser Propagandamaßnahmen
kamesauchzurBeauftragungdesFilmsWOHINLÄUFSTDUSCHILLING?.
AnderNutzungvonWerbe-undIndustrie(werbe)filmenhattenvorallemSchu-
len großes Interesse, die eben diese Streifen in der Länder-, Material- oder Volks-
kunde wie auch zur Erklärung technischer Prozesse heranziehenwollten. Seitens
desUnterrichtministeriumswandteman sich anUnternehmenundbat umdieBe-
reitstellung von entsprechenden Filmmaterialien. Aufgrund dieser Aktion haben
sich bis heute diverse Werbe- und Industrie(werbe)film im Archiv erhalten. Ein
11 Schlussbetrachtungen 243
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Title
- Der österreichische Werbefilm
- Subtitle
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Author
- Karin Moser
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Culture of memory, media history, advertising
- Category
- Kunst und Kultur