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VermögenbeiderVermögensverkehrsstelleWienanmelden.73DaJüdinnenund
Juden fremder Staatsangehörigkeit nur ihr inländisches Vermögen zu regis-
trierenundzubewertenhattenunddaLieseraußerdemumgehendbegann,ihre
Flucht aus Österreich zu organisieren, ging sie zum Erwerb einer anderen
Staatsbürgerschaftam24. Juli1938dieEhemiteinemMannnamensBergerein,
wodurch sie jugoslawische Staatsbürgerinwurde.MargitMises berichtet dar-
über: »AlsHitler inWien einrückte und sie Schwierigkeiten hatte, auszuwan-
dern,heiratete sie einen ihr fastunbekanntenMann.Esgabviele solcherEhen,
diefaktischnurScheinehenwarenundnievollzogenwurden.EinMann,dereine
Frauunter diesenBedingungenheiratete, verlangte eine große SummeGeldes
für seinenNamenundseineDiensteund fühlte sichnochobendreinalsWohl-
täter, weil er der Frau auf dieseWeise ermöglichte,Österreich zu verlassen.
Sobald seine ›Frau‹ imAuslandwar, reichte erdieScheidungein.Öftershatten
dieseScheinehenunangenehmeErpressungenzurFolge.«74
Am15. Juli 1938meldeteHeleneLieser ihrVermögenanundwurdebereits
am 5.August 1938 seitens der Vermögensverkehrsstelle aufgefordert, ihre –
noch als »deutsche Staatsangehörige« – angemeldeten ausländischenWertpa-
piere (unter anderem Aktien der Firmen Salgû-Tarj ner Elektrizitätswerke,
DeutscheLinoleum-Werke, SlomanSalpeter, SalitreradeTarapaca)derWiener
Reichsbankstelle zumVerkauf anzubieten. Da Lieser (mittlerweile Berger-Lie-
ser)alsnunmehrigeAusländerin jedochnurnochinländischeVermögenswerte
anzumeldenhatteund zudemvor allemnachdemNovemberpogromdieNot-
wendigkeit auszuwandern immerdringlicherwurde, setzte siedieVermögens-
verkehrsstelleam16.November1938vonihrerEheschließunginKenntnis.Erst
am 22.August 1939 stellte ihr das Finanzamt Innere Stadt-Ost (Reichsflucht-
steuerstelle) einen »vorläufigen Sicherheitsbescheid« aus: »Meine Feststellun-
genlassendaraufschließen,dassSiedenWohnsitz imLandÖsterreichoder im
übrigen Reichsgebiet aufgeben werden. Aufgrund des §7 des Reichsflucht-
steuergesetzes ersuche ich Sie daher, sofort in der Höhe von RM 15.400,–
Sicherheit zu leisten.«75 Jene von Lieser bei ihrer Auswanderung zu leistende
Steuer von RM 15.400,– stellte 25Prozent ihres (von den Nationalsozialisten
errechneten)Gesamtvermögensdar.
Nach Bezahlung konnte Helene Lieser Österreich endlich verlassen und
73 Vgl. die »Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden« vom 26.4. 1938
(GBlÖ102/1938). –Über das Vermögen Helene Liesers (Miethaus und Bauland im 19.
WienerGemeindebezirk,Gemälde vonArnoldClementschitsch, Schmuck,Aktienetc.) in-
formiert der Akt 1959/6,ÖSTA AdR; bzgl ihrer Familienmitglieder siehe auch die Liste
»Privatvermögen – Personenverzeichnis« bei Steiner, Recht als Unrecht 174 f., sowie
ausführlichKammerstätter, FamilieLieser.
74 Mises, LudwigvonMises73.
75 ÖStAAdR,Akt19596.
DasStudiumderStaatswissenschaften202
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik