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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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VermögenbeiderVermögensverkehrsstelleWienanmelden.73DaJüdinnenund Juden fremder Staatsangehörigkeit nur ihr inländisches Vermögen zu regis- trierenundzubewertenhattenunddaLieseraußerdemumgehendbegann,ihre Flucht aus Österreich zu organisieren, ging sie zum Erwerb einer anderen Staatsbürgerschaftam24. Juli1938dieEhemiteinemMannnamensBergerein, wodurch sie jugoslawische Staatsbürgerinwurde.MargitMises berichtet dar- über: »AlsHitler inWien einrückte und sie Schwierigkeiten hatte, auszuwan- dern,heiratete sie einen ihr fastunbekanntenMann.Esgabviele solcherEhen, diefaktischnurScheinehenwarenundnievollzogenwurden.EinMann,dereine Frauunter diesenBedingungenheiratete, verlangte eine große SummeGeldes für seinenNamenundseineDiensteund fühlte sichnochobendreinalsWohl- täter, weil er der Frau auf dieseWeise ermöglichte,Österreich zu verlassen. Sobald seine ›Frau‹ imAuslandwar, reichte erdieScheidungein.Öftershatten dieseScheinehenunangenehmeErpressungenzurFolge.«74 Am15. Juli 1938meldeteHeleneLieser ihrVermögenanundwurdebereits am 5.August 1938 seitens der Vermögensverkehrsstelle aufgefordert, ihre – noch als »deutsche Staatsangehörige« – angemeldeten ausländischenWertpa- piere (unter anderem Aktien der Firmen Salgû-Tarj‚ ner Elektrizitätswerke, DeutscheLinoleum-Werke, SlomanSalpeter, SalitreradeTarapaca)derWiener Reichsbankstelle zumVerkauf anzubieten. Da Lieser (mittlerweile Berger-Lie- ser)alsnunmehrigeAusländerin jedochnurnochinländischeVermögenswerte anzumeldenhatteund zudemvor allemnachdemNovemberpogromdieNot- wendigkeit auszuwandern immerdringlicherwurde, setzte siedieVermögens- verkehrsstelleam16.November1938vonihrerEheschließunginKenntnis.Erst am 22.August 1939 stellte ihr das Finanzamt Innere Stadt-Ost (Reichsflucht- steuerstelle) einen »vorläufigen Sicherheitsbescheid« aus: »Meine Feststellun- genlassendaraufschließen,dassSiedenWohnsitz imLandÖsterreichoder im übrigen Reichsgebiet aufgeben werden. Aufgrund des §7 des Reichsflucht- steuergesetzes ersuche ich Sie daher, sofort in der Höhe von RM 15.400,– Sicherheit zu leisten.«75 Jene von Lieser bei ihrer Auswanderung zu leistende Steuer von RM 15.400,– stellte 25Prozent ihres (von den Nationalsozialisten errechneten)Gesamtvermögensdar. Nach Bezahlung konnte Helene Lieser Österreich endlich verlassen und 73 Vgl. die »Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden« vom 26.4. 1938 (GBlÖ102/1938). –Über das Vermögen Helene Liesers (Miethaus und Bauland im 19. WienerGemeindebezirk,Gemälde vonArnoldClementschitsch, Schmuck,Aktienetc.) in- formiert der Akt 1959/6,ÖSTA AdR; bzgl ihrer Familienmitglieder siehe auch die Liste »Privatvermögen – Personenverzeichnis« bei Steiner, Recht als Unrecht 174 f., sowie ausführlichKammerstätter, FamilieLieser. 74 Mises, LudwigvonMises73. 75 ÖStAAdR,Akt19596. DasStudiumderStaatswissenschaften202
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Titel
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Autoren
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Verlag
V&R unipress GmbH
Datum
2014
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
838
Kategorie
Recht und Politik
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938