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FranzKarlWeinstein:DiePrivatangestelltenbewegung inÖsterreich (1922)
AmalieWeiß (verh. Long):Die Frauen in derGewerkschaftsbewegung inÖsterreich
(1922)
Carla Zaglits: Soziologische Untersuchung über die sittliche Verwahrlosung der
weiblichen Jugend(1922)
Obwohl dieNovelle von 1926 eine Erweiterung der wirtschaftswissenschaftli-
chenVorlesungenundSeminarebrachte,wurdenfortanwenigerentsprechende
Dissertationen verfasst. Das lag einerseits daran, dass unter derWirtschafts-
wissenschaft keineswegs eine empirisch arbeitende Sozialwissenschaft auf der
HöhederZeit, sondernvielmehr eine juristischeHilfswissenschaft verstanden
wurde.Man setzte in der Ausbildung der Staatswissenschafter/innen auf Pri-
vatwirtschaftslehre(d.h.Buchführung,Betriebswirtschaftslehre,Warenkunde),
Versicherungsrecht,ArbeitsrechtundWirtschaftsgeographie.Andererseitsging
die Abnahme wirtschaftswissenschaftlicher Dissertationsthemen auf die Ein-
führung des Doktorats der Handelswissenschaften an der Hochschule für
WelthandelimJuli1930123unddiedadurchhergestellteKonkurrenzsituationfür
dasStudiumderStaatswissenschaftenzurück.
Ab Ende der 1920er Jahre befassten sich daher die meisten staatswissen-
schaftlichenDissertationenmitThemenausdemBereichderGesellschaftslehre
– und in ihnen spiegeln, sich die wissenschaftlichen Kontroversen jener Zeit
wider. Das Fach Gesellschaftslehre, das sozialwissenschaftlich interessierte
Studierende noch am ehestens ansprach, war vonOthmar Spann und seiner
neoromantisch-ständischen, geisteswissenschaftlich verstandenen Soziologie
geprägtunddominiert.Wer jedochwie zumBeispielHugoHuppert oderPaul
Neurath an aktuellen gesellschaftlichen Zusammenhängen interessiert war,
diese sogar empirisch erforschenwollte, fand dazu an der Universität nur in
ausgewählten Seminaren einiger fortschrittlicher, dem austroliberalen bis au-
stromarxistischenLager zuzurechnenderLehrender (Adler,Kelsen,Mises etc.)
Unterstützung,musste sichdasmeiste jedochaußeruniversitär aneignen.
Daher finden sich kaum gesellschaftswissenschaftliche Dissertationen, die
empirischerhobeneDatenverarbeiteten;dienochbestenAbhandlungensetzten
sich deshalbmit (denMethoden) der Soziologie aus theoretischer Sicht aus-
einander,unter ihnen:
RichardAnfried:LehrmeinungenüberGegenstandundMethodederSoziologie(1928)
MariaBrandner:DieUmweltlehre, soziologischundsozialpolitischbetrachtet (1928)
DusanDungierski:Die soziologischenGrundlagendesLiberalismus (1928)
123 Vgl.BGBl234/1930.
DasStudiumderStaatswissenschaften222
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik