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weiltenundeine»eliteofyoungscholars«darstellten(u.a.ErichHula,LeoGross
undJosephH.Fürth),weiterhinzuunterstützen,waseine»capitalizationof the
very largesumswehave investedintheir formation«203wäre.Gleichwohlwurde
der Förderantrag aufgrund der politischen InstabilitätÖsterreichs im Jänner
1934vonderTagesordnungderRockefellerFoundationgenommenundauchin
den darauffolgenden, austrofaschistischen Jahren die Wiederaufnahme des
Wiener Antrags abgelehnt. Die Rockefeller Foundationwandte sich nunmehr
der Unterstützung vertriebener österreichischerWissenschafter/innen in den
USA zu; die innovativen Sozial- und Politikwissenschafter/innen hatten das
Land verlassen, statt eines Viennese Institute of Social Sciences etablierte
Österreichauf JahrehinausdiegeistigeProvinz.
5. EineWissenschaft geht insExil –undbleibtdort
ObwohldiedemokratischenJahrederErstenRepublikdie(bisheute)kreativste
und innovativste Zeit der österreichischen Sozial- und Politikwissenschaft
ausmachen, waren ihre Vertreter/innen (universitär) nicht hinreichend eta-
bliert, umeine eigenständige und vor allemnachhaltige Schule begründen zu
können. Denn sie waren dem aufklärerisch-liberalen bis austromarxistischen
Lager zuzuordnen.AufgrundderBerufungspolitik, dienachdemAusscheiden
derSozialdemokratieausderRegierungskoalitionmehrdennjekonservativund
auchexplizitantimarxistisch, letztlichebensoantisemitischgeprägtwar,hatten
siewegen ihres »falschen«weltanschaulichenund»rassischen«Hintergrundes
jedochkeineChancenaufeineuniversitäreKarriere.Mit ihnenverlorauchdas
Doktoratsstudium der Staatswissenschaften die Aussicht, sich zu einer kriti-
schenGesellschaftswissenschaft zu entwickeln: »Die Revolution von 1918 hat
dieUniversitätenkaumgestreift;wehedenMarxisten,Liberalen, Juden«204.
DieSozial-unddamitletztlicheineeigenständigePolitikwissenschaftwurden
vonBeginn an ins extramurale Exil vertrieben; die analytische Anerkennung
eines solchen extramuralen,Wiener Exils relativiert die seit Jahrzehnten um-
strittene Frage, ob derNazismus die Sozialwissenschaften inÖsterreich (und
Deutschland) zumStillstand gebracht habe.DenndieVertreibung fand schon
viel früher, in den frühen 1920er Jahren statt. Sie bestand in der Exilierung
jeglicherempiriegeleiteter,kritischerunddamitschließlichdemokratisierender
Sozialwissenschaften.
Wurden allerdings in den 1920er Jahren viele sozialwissenschaftlich arbei-
203 JohnVan Sickle an Syndor H.Walker, 1. 12. 1933 (zit.n. Fleck, Transatlantische Berei-
cherungen176).
204 Huppert,DieangelehnteTür 505.
DasStudiumderStaatswissenschaften248
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik