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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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Brassloff stetsmitmehr als nur sechs Semesterstunden auf. Sein Lehrangebot umfasste verschiedeneBereichedes römischenRechts insbesonderedasFami- lienrecht, das Erbrecht, das Pfandrecht und das Prozessrecht. Neben seinen VorlesungenboterauchPflichtübungen,KonversatorienundRepetitorienund Pandektenpraktika, indenRechtsfälledurchbesprochenundDigestenexegesen erstelltwurden, an. Ein Ordinariat blieb Brassloff verwehrt, zwar war er sowohl als Vortra- gender als auch als Prüfer bei den Studierendenbeliebt, doch seine jüdische HerkunftmachteihnzurZielscheibe»völkischer«Kreise.135Brassloffhattedie Angewohnheit, während seiner Vorlesungen zur Auflockerung und Pointie- rung zweideutige – zuweilen wohl etwas geschmacklose und nach heutigen Kriterien sexistische, jedoch insgesamt harmlose –Witze zu reißen.136Dies wurde ihm zum Verhängnis: »Völkische« Studierende veranstalteten eine Hetzkampagne gegen Brassloff, den sie als »menschenähnlichesWesen« be- schimpften.AnderAktionwaren»völkische«StudentenunterderAnführung RobertKörbers,dievonder»völkischen«Presse,derDeutschenGemeinschaft und den »völkischen« Professoren unterstützt wurden – nebenWenzel Glei- spach nannte Friedrich Brassloff Ernst Schönbauer und Othmar Spann als Protektoren derKampagne gegen seinenVater.137 Stephan Brassloff sah sich schlussendlich gezwungen, bei derDisziplinarkammer eine Selbstanzeige zu erstatten.BeiderVernehmungdurchdieDisziplinarkammerbetonteBrassloff, dass ihmeine»ReihevonAeusserungenheutesehrgeschmacklosvorkommt«, dass er seine »Vorgehensweise bereits bitter gebüsst habe« – die letzten drei Monate gehörten »zuden ärgsten [s]eines Lebens«.138DasDisziplinarverfah- ren endetemit einer Rüge für Brassloff, jedoch »seinRenomm¦ewar unten, undseineKarrierewarbeendet«.139 Zu seinen wissenschaftlichen Interessensgebieten zählte neben dem römi- schenStaatsrecht,auchdasEherechtunddieProblematikderRechtstellungder Frau.140SeinestaatsrechtlichenStudienfolgtendervonWengereingeschlagenen Richtung der Antiken Rechtsgeschichte und bezogen die internationalen Be- ziehungen des römischen Staates ein. Einenwesentlichen Teil seiner Publika- 135 Vgl. zum»Universitätsskandal umBrassloff« ausführlichMeissel,Wedrac, Römisches Recht40–42;Meissel,RömischesRechtundErinnerungskultur11–16. 136 Vgl. auch88Fn.45. 137 InterviewmitFriedrichBrassloffdurchgeführtvonKonstantinKaiser1984, [http://access. cjh.org/429549–abgerufen18.12. 2013]S. 8. 138 Protokoll dermündlichenVerhandlung, UAWDisziplinarakt Stephan Brassloff, Sonder- reiheDisziplinarakten, SenatS. 185.340. 139 InterviewmitFriedrichBrassloffdurchgeführtvonKonstantinKaiser1984, [http://access. cjh.org/429549–abgerufen18.12. 2013]S. 11. 140 EinSchriftenverzeichnisfindetsichbeiMeissel,RömischesRechtundErinnerungskultur 22–31. RömischesRecht 283
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Title
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Authors
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Publisher
V&R unipress GmbH
Date
2014
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Size
15.5 x 23.2 cm
Pages
838
Category
Recht und Politik
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938