Page - 287 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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Brassloff als »das ernsthafte Streben, ProblemedesmodernenPrivatrechts auf
demWege rechtsvergleichender und historischer Untersuchung einer Lösung
zuzuführen«159 beschrieb. Pineles Plan, ein »corpus iuris universalis« heraus-
zugeben,dasseineMaterialiensammlungzurälterenundneuerenGesetzgebung
umfassensollte,konnteernichtverwirklichen.SeineForschungsschwerpunkte
umfasstenu.a. StudienzumMiteigentuminsbesondere zumStockwerkseigen-
tumund fürdiePraxis bedeutendeFragendesWasserrechts.160Zwischen1907
und 1912 gab Pineles die Zeitschrift »Gaius. Zeitschrift für Rechtsgeschichte,
Rechtsvergleichung und Rechtsunterricht für Studierende und praktische Ju-
risten«heraus.AuchinseinezahlreichenLehrveranstaltungen–Pineleshieltbis
zu 18 Semesterstunden pro Semester – ließ er seine rechtsvergleichendeMe-
thodeeinfließen:Sohielt erbspw. siebenstündigeVorlesungenzurEinführung
indas heutige Privatrecht auf römischer und rechtsvergleichenderGrundlage.
Pineles lehrtebiszuseinemunerwartetenTod1921, seineLehrveranstaltungen
erfreuten sich wegen seiner »Fähigkeit sich so ganz in den Geist des jungen
Rechtshörers,derohnejedejuristischeKenntnis[…]andieUniversitätkommt,
hineinzudenken«161großerBeliebtheit.
Slavomir Condanari162 studierte von 1920 bis 1929 mit Unterbrechungen
aufgrund finanziellerSchwierigkeitenRechtswissenschaften inWienundGraz.
Anschließend war er am Seminar für römisches Recht und antike Rechtsge-
schichte beiWoess undSchönbauer alswissenschaftlicheHilfskraft tätig. Sein
Plan, sich für Deutsches Recht zu habilitieren, scheiterte am negativen Gut-
achten, das Rudolf Köstler zu seiner Habilitationsschrift »Zur frühveneziani-
schen Collegantia« erstellt hatte. Stattdessen wurde sie »als Grundlage einer
Habilitation fürAntikeRechtsgeschichteundGeschichte des gemeinenRechts
akzeptiert«.163AlsGutachterwurdennunmehrErnst Schönbauer undLeopold
Wengerherangezogen, die beidedieArbeit insgesamt lobten.AbdemWinter-
semester1937/38hieltCondanariLehrveranstaltungenanderUniversitätWien:
ZunächsteineeinstündigeVorlesung»AusgewählteStellenausdenInstitutionen
desGaius, 4. Buch:ÜberdenRechtsgangundVergleichmit demgriechischen
Recht« und im folgenden Sommersemester kündigte er »Ausgewählte Stellen
zum Sachen- und Schuldrecht (Antike undMittelalter)« sowie einenWieder-
holungskurs zumRömischenRecht an.NachdemBrassloff vonderUniversität
Wienvertriebenwordenwar, bewarb sichCondanari umeineErnennungzum
159 Brassloff,Nachruf41.
160 ZumMit- und Stockwerkseigentum: Pineles, Communiopro diviso. ZumWasserrecht:
Pineles, BeiträgezumrömischenundheutigenWasserrecht.
161 Brassloff,Nachruf41.
162 22.3. 1902–27.12. 1974. Vgl. zu ihm Lichtmannegger, Rechts- und Staatswissen-
schaftlicheFakultät 41–45;Meissel,Wedrac,RömischesRecht68–72.
163 Lichtmannegger,Rechts-undStaatswissenschaftlicheFakultät 42.
RömischesRecht 287
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik