Page - 307 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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tätigkeit sollte sowohl das Deutsche Recht als auch das Staatsrecht umfas-
sen.1930erhieltHugelmanndenTiteleineso.Professors;2831932wurdeerzum
systemmäßigen ordentlichen Professor der Rechts- und Staatswissenschaften
ernannt.284
Parallel zu seiner wissenschaftlichen Karriere war Hugelmann schon früh
auch politisch tätig. Als Student hatte er eine »Finkenvereinigung« (= eine
Vereinigung von nichtkorporierten Studenten) gegründet, aus der später der
Verein»Akademia«hervorgehensollte,welcher lautHugelmannspäter, »inder
Kampfzeit […] seinePflicht erfüllt hat.«285Er selbstwurde »einerder bekann-
testenWortführer der katholisch-nationalen Richtung« und war »an den oft
stürmischenAuseinandersetzungensehrlebhaftbeteiligt.«AuchwarerMitglied
imDeutschenKlub.286WedereineKandidatur fürdieChristlichsozialenbeider
Reichsratswahl 1911 noch eine Entsendung in den »Anschluß-Ausschuß« der
WeimarerNationalversammlung1919kamzustande;1920jedochentsandteihn
der niederösterreichische Landtag in denBundesrat; Ende 1923wurde er da-
selbst zum stellvertretendenVorsitzenden gewählt undbehielt diese Funktion
fast achteinhalb Jahre. In der Christlichsozialen Partei gehörte er demnatio-
nalen Flügel an und war Herausgeber des »Deutschen Volksblattes«; immer
wiederpublizierteerzurAnschlussfrageundzumVertragvonSaintGermain.287
Der Tod Ignaz Seipels, mit demHugelmann eng verbunden gewesen war,
sowie der Regierungsantritt Dollfuß’ 1932 entfremdeten den Rechtshistoriker
derChristlichsozialenPartei.288SeineErnennungzumo.Professor1932wurde
zurBegründungdafür genommen,dass ihnderniederösterreichischeLandtag
nach der im selben Jahr stattgefundenen Landtagswahl nicht mehr in den
Bundesratentsandte.AlskurzdaraufdieRegierungDollfußdassog.Lausanner
Protokoll unterzeichnete,289 führte Hugelmann einen förmlichen Kreuzzug
gegen dieses: Hatte doch kurz zuvor der Ständige Internationale Gerichtshof
befunden,dassdasGenferProtokoll 1922nichtnureiner politischen, sondern
283 EntschließungdesBundespräsidentenvom14.1. 1930, intimiert durchBMUEvom20.1.
1930,ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton611,PersonalaktMerklAdolf,Z1824/
1930.
284 Entschließung des Bundespräsidenten vom 6.2.1932, intimiert durch BMUE vom 17.2.
1932,ÖStAAVA,Unterricht Allg., Univ.Wien, Karton 611, PersonalaktHugelmannKarl
Gottfried,Z3741/1932.
285 Karl Gottfried Hugelmann, Autobiographie, in: AÖAW, Personalakten, Karl Gottfried
Hugelmann,8.
286 Vgl. dazubereitsoben70.
287 ImBericht desDekans von 1924wurdeHugelmann als ȟberzeugterDeutscher katholi-
scherGesinnung«bezeichnet:ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton608,Rechts-
undStaatswissenschaften.
288 SodieEinschätzungdurchWilhelmWegener,Hugelmann,Karl, in:NDBX(Berlin1974)
9.
289 Protocole autrichienvom15.7. 1932BGBl12/1933.
DeutschesRechtundÖsterreichischeReichsgeschichte 307
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik