Page - 309 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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aberniemalsmitgeteilt;dieVerhaftungseidurchHeimwehrleute,die ihmnicht
einmal sagenkonnten, inwessenAuftrag sie handelten, unterAndrohungvon
Gewalt erfolgt. Hugelmann wurde zunächst ins katholische Vereinshaus ge-
bracht,woeru.a. vonProdekanVerdrossbesuchtwurde,undnochamAbend
des26. Juli in ein»improvisiertesAnhaltelager« ineinemleer stehendenSpital
vonKlosterneuburg überstellt. »Vielleicht zehnmal verlangte ich durch einen
Gendarmen,einmalauchdurchdenGendarmeriepostenkommandanten,einen
schriftlichenHaftbescheid.Dadiesvergeblichwar,kündigte icham30. Juli an,
dasz ich am31. 12Uhr in denHungerstreik tretenwerde,wenn ich bis dahin
nicht einen schriftlichenHaftbescheid erhalte.Dadiesnicht geschah, verwirk-
lichteichmeineAbsicht[…].«Am3.August, 1
2 11Uhrnachts,wurdeermitdem
Krankenauto in das Rainerspital (das heutigeHanusch-Krankenhaus inWien
XIV.) gebracht. Dort blieb er bis zum 28.September. »Niemals bis zu dem
heutigenTag istmir ein Bescheid zugekommen, durch den diese Freiheitsbe-
schränkungen verfügtwurden.«296 ImRainerspital erhielt er Besuch nicht nur
von seiner Familie und von seinem Rechtsanwalt, Arthur Seyß-Inquart (!),
sondern auch von Prof. Albert Ehrenzweig sen., der auf Bitten Hugelmanns
einen Brief an Staatssekretär Fey schickte, in dem er sich für seinenKollegen
einsetzte,welcher trotz »nationalerEinstellung seinen tiefenAbscheuvordem
›braunen‹Terror stets betont« undganz sicher nie etwas »gegen sein geliebtes
Vaterlandunternommen«habe.297OffenbarhattediesesSchreibenErfolg,denn
einen Monat später, am 28.September 1934, wurde Hugelmann nach Hause
entlassen,nachdemerdieZusicherunggegebenhatte,sichkünftig»jederstaats-
oder regierungsfeindlicher Betätigung zu enthalten.«298 Wie Hugelmann be-
richtet,warihmangedrohtworden,dasserineinAnhaltelagerüberführtwerde,
sollte ernichtunterschreiben.299
NochwährendseinerInhaftierung,am1.August1934,hatteHugelmannaber
auch dem Rektor geschrieben und eine Disziplinaruntersuchung gegen sich
selbstbeantragt.DerDisziplinaranwaltderUniversitätWien,ErnstSchönbauer,
brach sofort seinenUrlaubabund fuhrnachWien,woerdasRektorat auffor-
296 UndatiertesMemorandum,UAW, Senat S. 185.777, Karton 302, GZ 1206 ex 1933/34. Die
DatenstimmenübereinmitdemBerichtdesSicherheitsdirektorsfürNiederösterreichvom
20.9. 1934, ÖStA AdR, BKA-I, Allg., 20g, Karton 4459, Z 221.033/1934. Vgl. auch
Schönbauer,Hugelmann382.
297 SchreibenvonAlbertEhrenzweiganStaatssekretärFeyvom27.8.1934,ÖStAAdR,BKA-I,
Allg., 20g,Karton4459,Z. 221.033/34.
298 VonHugelmann unterzeichnete Erklärung, datiert 28. 9. 1934,ÖStAAdR, BKA-I, Allg.,
20g,Karton4459,Z221.033/34.DievonWilhelmWegener,HugelmannKarl, in:NDBX
(Berlin 1974) 9, aufgestellte Behauptung, Hugelmann sei in ein »Konzentrationslager«
(womitwohlnurdasAnhaltelagerWöllersdorfgemeintseinkann)eingewiesenworden,ist
alsounrichtig.Vgl. dazuauchSchölnberger,Wöllersdorf.
299 UndatiertesMemorandum,UAW,SenatS. 185.777,Karton302,GZ1206ex1933/34.
DeutschesRechtundÖsterreichischeReichsgeschichte 309
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik