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der ihn bei seinerHabilitationsschrift unterstützt hatte, unbeliebt. So schrieb
Stutz imMärz1916anHansLietzmann,derLedersWerk fürdieZeitschrift für
Rechtsgeschichte rezensieren sollte: »Ich findeLeder tut der feinenStudie von
Hankiewicz sehrUnrechtundverdunkeltmit seinermystisch-scholastisch-so-
ziologischen Betrachtungsweise nur die Frage.«452 Auch Lietzmann war von
LedersThesennicht angetan, erbezeichneteLedersBuchals »unergiebig«und
kritisierte Leders »polemischen Ton«.453 Leders letztes Werk, »in dem er im
ZusammenhangmitallgemeinenFragenderRechtslehredieSelbständigkeitdes
Kirchenrechtes nachzuweisen suchte«, blieb unvollendet.454Als Personwurde
Lederals »verschlossene, in sichgekehrteNatur«beschrieben: »Wieereinsam
durchs Leben ging – er blieb unvermählt –, ging er auch einsam durch die
Wissenschaft«.455 Leder starb am 4.August 1930 »an den Folgen einer Blind-
darmentzündung«.456
d) Julius (von)Bombiero (Ritter vonKremenac´)457
Julius Bombiero kam am 21. Januar 1887 in Rom [Roma/It] als Sohn eines
österreichischenDiplomaten,derderBotschaft inRomzugeteiltwar, zurWelt.
Er studierte Rechtswissenschaften an der Universität Wien, unter anderem
Kirchenrecht bei Köstler undHussarekmit besonderem Interesse am Staats-
kirchenrecht.Am24.Februar1911promovierteerundtratanschließendindie
Gerichtspraxisein. 1914machteBombieroeinenStudienurlaubbeiUlrichStutz
inBonnundverfassteaufdessenAnregungzwei»AbhandlungenzurGeschichte
der katholischenKlerikerbesoldung insbesondere inÖsterreich«458–einePio-
nierarbeit auf diesem Gebiet.459 Aufgrund dieser Werke beabsichtigte sich
Bombierozuhabilitieren, einUnterfangen,das sichals schwieriggestaltete. So
erinnerte sich Köstler, der Betreuer Bombieros, 1948: »Die Habilitation war
äusserst schwach. […]DasKolloquiumwar sehr schwach.Beimirnochgenü-
BeitraguntersuchtedieEchtheitdergriechischundlateinischüberliefertenBeschlüsseder
Synode von 313. Zwar gingen beideWissenschaftler von deren Echtheit aus, doch be-
haupteteLeder imGegensatzzuHankiewicz,dassessichbeider lateinischenFassungum
dasOriginalundbeidergriechischenumdieÜbersetzunghandelt.
452 Aland,GlanzundNiedergangderdeutschenUniversität 371.
453 Lietzmann, Leder,P.,AchtVorträgeüberdasältesteSynodalrecht427.
454 Stutz,NachrufLeder723.
455 Köstler,NachrufLeder29.
456 Stutz,NachrufLeder723.
457 Vgl. Schima, Flüchtling–Mitläufer–Überzeugungstäter? 125–129; Grass, Julius von
Bombiero-Kremenac´ 508 f.; Schartner, Staatsrechtler 156–163.
458 Schima,Flüchtling–Mitläufer–Überzeugungstäter?126,beidenAbhandlungenhandeltes
sichum:Bombiero-Kremenac´, Geschichte undRecht der »portio congrua«mit beson-
dererBerücksichtigungÖsterreichs; Bombiero-Kremenac´, DieEntwicklungder staatli-
chenKongruagesetzgebung inÖsterreich.
459 Grass, JuliusvonBombiero-Kremenac´ 508.
Kirchenrecht 333
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik