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schien jedochschließlichnicht imDreiervorschlagauf.161882wurdeScheyder
Titel einesaußerordentlichenProfessorsverliehen,1884»erfolgteaufgrundder
Schrift ›Begriffe undWesen derMora Creditoris im österr. und im gemeinen
Recht‹«17 auch die Ernennung zum außerordentlichen Professor des österrei-
chischenund römischenPrivatrechts anderUniversitätWien. Ein Jahr später
wurdeScheyals o.ProfessordesRömischenRechtsnachGrazberufen.Er trat
dortdieNachfolgenachMorizWlassakan,dernachBreslaugegangenwar.Der
BesetzungsvorschlagderFakultät hatte zwarden inPrag lehrendenCarlRitter
vonCzyhlarzandieersteStellegesetzt,dochentschiedsichdasMinisteriumfür
Schey, indem es darauf hinwies, dass das Grazer Professorenkollegium selbst
dessen Leistungen »in günstigsterWeise beurtheilt« hatte.«18 Im Studienjahr
1889/90übte Schey dasAmtdesDekans aus. Als 1893 derGrazer Zivilrechts-
professor Emil Strohal nach Göttingen wechselte, übernahm Schey, wie von
Strohal favorisiert, dessenLehrkanzel.Erbliebvier JahreOrdinarius füröster-
reichisches Zivilrecht inGraz, dann folgte die Berufung nachWien als Nach-
folger vonFranzHofmann.Dieser konnte aufgrundeines schwerenNervenlei-
densschonseitdemSommersemester1895keineVorlesungenmehrhaltenund
war abdemWintersemester 1895/96 beurlaubt.19Daher hatte derUnterrichts-
minister das Wiener Professorenkollegium um die Errichtung einer dritten
Lehrkanzel für bürgerliches Recht – nebenHofmannund demvölligüberlas-
teten Ivo Pfaff – gefragt, was dieses in der Hoffnung auf eine Genesung von
Hofmannzunächst ablehnte.Erst imMärz1897, einhalbes Jahr vorHofmanns
Tod,20 erstattete die Fakultät einen Dreiervorschlag, wobei primo locoHoraz
KrasnopolskiausPrag,secundolocoScheyundtertiolocoPaulSteinlechneraus
Innsbruckgenanntwurden.
Im»alleruntertänigstenVortrag«21betontederUnterrichtsministerGautsch,dass
Schey»schonausGründendesAnstandes«denVorzugverdiene,daeralsPrivat-
dozentundaußerordentlicherProfessorbereitsmehrereJahreinWiengelehrthatte.
Er sei nochverhältnismäßig jungund zeichne sichdurchklarenVortrag aus. Zu
seinerSchriftüberdieObligationsverhältnissemeinteEmilStrohal inLeipzig,dass
es »zu dem besten zählt, was die österreichische Rechtsliteratur in dem letzten
Dezenniumhervorgebracht hat.«22Daher sah ihnGautsch sowohl als Lehrer als
16 Wesener,RömischesRechtundNaturrecht60Fn.1.
17 Wesener,RömischesRechtundNaturrecht67Fn.8mwN.
18 Wesener,RömischesRechtundNaturrecht67Fn.5mwN.
19 VortragdesMinistersv.KUM,Gautsch,vom17.3. 1897,ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.
Wien,Karton613,PersonalaktSchey Joseph.
20 FranzHofmannverstarb imOktober1897.Vgl. zu ihmPfaff,Hofmann.
21 VortragdesMinistersv.KUM,Gautsch,vom17.3. 1897,ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.
Wien,Karton613,PersonalaktSchey Joseph.
22 VortragdesMinistersv.KUM,Gautsch,vom17.3. 1897,ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.
Wien,Karton613,PersonalaktSchey Joseph.
Privatrecht 347
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik