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Ebenfalls bei seinerHabilitation stellte er herrschendeAnsichten in Fragemit
seinerTheorie,»alleArtenderVertragsverletzungnuralsBegehungsformendes
Erfüllungsverzuges aufzufassen. Er [sah] in der sog. ›positivenVertragsverlet-
zung‹ keine dritte, zu ›Unmöglichkeit‹ und ›Verzug‹ hinzutretende Form der
Schuldverletzung,sonderneineNichterfüllungvonNebenpflichten.«113Weiteres
beschäftigteersichmitder»AnalysedesBegriffesderRechtswidrigkeit«114und
verfassteBeiträgefürdiverseGesetzeskommentare–sowohlzivilrechtlichenals
auch handelsrechtlichen Inhaltes.115 Besonders erwähnen Pisko und Löbl
Schlesingers Einfluss auf die »Frage, ob nach österreichischemRecht dasAn-
erkenntnis einen selbständigen vomBestande des anerkanntenGrundverhält-
nisses unabhängigen Verpflichtungsgrund bildet«.116 Schlesinger löste dieses
Problemdahin, »daßderTatbestanddesGrundverhältnisses sich insoweit ver-
wirklicht habenmüsse, daß seine vollständigeVerwirklichungbeiAbgabeder
AnerkennungserklärungvondenParteientrotzbestehenderZweifel zumindest
alsmöglichangesehenwerdenkonnte.«117
Rudolf Löbl beschreibt Schlesinger in seinemNachruf als äußerst vielseitig
interessiertenMenschen,derdie»schöneLiteratur«genossunddieMusikund
Natur liebte. »In den letzten Jahren verstärkte sich seineHinneigung zur Phi-
losophieundwennihneinerseitsvorallemHusserlsErkenntnistheorieanzog,so
warder für seineWeltanschauungrichtungsgebendePhilosophSchopenhauer;
er, der – ein gütiger und aufopferungsvoller Freund – im Freundeskreisemit
seinembeiallergeistigenBedeutungkindlichenWesenvonheitererGemütsart
erscheinen mochte, war seiner philosophischen Ueberzeugung nach Pessi-
mist.«118 Schlesinger wohnte nach demTode seiner Eltern zuletzt bei seinem
OnkelEmilPostelberg.Erunternahmregelmäßig »schwierigeHochtouren,die
eralsseineinzigesVergnügenzubezeichnenpflegte.«119Am17.August1928war
SchlesingermitseinemTourenkollegen,demRechtsanwaltGeorgKlappholz, in
dieEngadinerBergezurPiz-Kesch-Touraufgebrochen.ZweiTagespäterwurden
beide Bergsteiger tot aufgefunden: »Sie hatten allem Anschein nach die Ke-
schnadel erstiegen undwollten über den Grat nach der Keschspitze hinüber,
wobeisichaufdemGratdasUnglückereignete.Siestürztenetwa200Meter tief
abundbliebenzerschmettert, abernochangeseilt, liegen.«120
113 WernerOgris, SchlesingerWilhelm, in:ÖBLX(Wien1992)201.
114 Löbl,Dr.WilhelmSchlesinger427; Schlesinger,Rechtswidrigkeit.
115 Klang,Kommentar zumABGB;Pisko,Kommentar zumAHGB.
116 Pisko,WilhelmSchlesinger34.
117 Löbl,Dr.WilhelmSchlesinger427.
118 Löbl,Dr.WilhelmSchlesinger427.
119 NeueFreiePressevom20.8. 1928,Nr.22964, S. 4.
120 WienerZeitungvom21.8. 1928,Nr.192, S. 3. Die
judiziellenFächer364
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik