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meistern. Am20.März 1893 konnten drei Regierungsvorlagen, betreffend ein
»Gesetzüber dieAusübungderGerichtsbarkeit unddie Zuständigkeit der or-
dentlichenGerichteinbürgerlichenRechtssachen«,dieJurisdiktionsnorm(JN),
fernerein»GesetzüberdasgerichtlicheVerfahren inbürgerlichenRechtsstrei-
tigkeiten«, die Zivilprozessordnung (ZPO), sowie ein »Gesetzüber das Execu-
tions- undSicherungsverfahren«, die Exektionsordnung (EO), imAbgeordne-
tenhaus eingebrachtwerden.277NachparlamentarischerBeratung erhieltendie
JN und die ZPO am 1.August 1895, die EO am 27.Mai 1896 die kaiserliche
Sanktion;FranzKlein,derseit1891denTiteleinesao.ProfessorsderUniversität
Wien trug,wurdeder »Titel undCharakter eines Sektionschefs« verliehen. In-
undausländischeEhrungen folgten.
SeitBeginndes Jahres1905warKleinprovisorischerLeiterdes Justizminis-
teriums; am2. Juni 1906wurdeer zumk.k. Justizminister ernanntundbehielt
diese Position bis zur Demission des Kabinetts Beck am 15.November 1908.
EinezweiteAmtszeitalsJustizministerdauertenursiebenWochen(31.Oktober
bis20.Dezember1916).Schonseit1905Herrenhausmitglied,gehörteerdortder
sog. Mittelpartei an,278 welche jedoch keine Partei im modernenWortsinne
darstellte.ErstnachAusrufungderRepublikgelangesGustavStolper,Kleinzur
Mitwirkung inder von ihmgegründetenBürgerlich-demokratischenPartei zu
überreden; seine Kandidatur für die Konstituierende Nationalversammlung
scheitertean80 fehlendenStimmen.279EineNähezudenSozialdemokratenist–
ungeachtet der sozialreformerischenAnsätze inKleins legislativer Tätigkeit –
nichtbekannt;eswarwohleherKleinsbekanntesEintretenfürdenAnschlussan
Deutschland,dasStaatssekretärOttoBauerdazubewog,KleinzumLeitereiner
eigenenAbteilungimAußenamtzuernennen,diedieFriedensverhandlungenin
St. Germain vorbereiten sollte. Es war auch vorgesehen, dass Klein die öster-
reichischeDelegationanführensollte.Als jedochklarwurde,dassdieAlliierten
den Anschluss verbieten würden, wurde Staatskanzler Renner diese Aufgabe
zuteilundKleinindiezweiteReihegedrängt;eineZurücksetzung,dieernichtzu
verwindenvermochte.
AnderUniversitätWienhieltKlein schonseit 1918keineLehrveranstaltun-
genmehr.NachdemeinersterSchlaganfall1923seineSprechfähigkeitdauerhaft
beeinträchtigt hatte, starb er drei Jahre später, an den Folgen eines zweiten
Schlaganfalles, am6.April 1926.
277 687, 688und689BlgAH11.Sess.
278 Sprung, Lebensweg38.
279 Fellner, FranzKleinalsPolitiker185 f. Die
judiziellenFächer398
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik