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jetzigen politischen Umständen […] für eine Ehrenpflicht […], für den
zwangspensioniertenösterreichischenKollegeneinzutreten«.459DieLehrkanzel
nachdemvertriebenenJamesGoldschmidtwar freiundsowurdeGleispach im
Dezember 1933 zumProfessor – da er die österreichische Staatsbürgerschaft
nicht verlierenwollte, allerdings nur zumHonorarprofessor – ernannt.460 Im
September1934wurdeerzumplanmäßigenProfessor,461 imMaidesFolgejahres
zumDekanernannt.462Von1934bis 1936warGleispachFührerderDozenten-
schaft anderBerlinerUniversität.463 Im»KabinettRintelen«, das die national-
sozialistischen »Juli-Putschisten« nach einem erfolgreichen Umsturz anstelle
des Kabinett Dollfuß installiert hätten, war Gleispach als Unterrichtsminister
vorgesehen. Das Scheitern des Putsches vom25. Juli 1934 verhinderte jedoch
GleispachsRückkehrnachÖsterreich.464
Gleispachs Einsatz für die »Säuberung« der Universitäten setzt sich im
DeutschenReichfort.AlsDekanderBerliner Juristenfakultät schickter imMai
1935eineEingabeandasReichsministeriummitderForderungErnstRabelund
MartinWolffals»Nichtarier«vonderUniversitätzuentfernen.465Gleispachwar
maßgeblich ander SchaffungdesNS-Kriegsstrafrechts beteiligt.466Erbliebbis
zuseinerEmeritierung1942anderUniversität inBerlin,kehrte1943nachWien
zurück,woeram12.März1944aneinemSchlaganfall starb.
d) FerdinandKadecˇka
Ferdinand Kadecˇka kam als Sohn des gleichnamigen Versicherungsbeamten
und dessen Frau Leopoldine, geborene H k, einer »Ziehtochter des Wiener
BürgermeistersDr.Zelinka«467,am16. Juli1874inWienzurWelt.Erabsolvierte
das Schottengymnasium und machte die Maturitätsprüfung 1892 mit Aus-
zeichnung– gemeinsammit seinemspäterenKollegen ander Fakultät Robert
Bartsch,468mit dem ihn auch eine freundschaftliche Bande und gemeinsame
Kammermusikabende verbanden. Entgegen seinem ursprünglichenWunsch,
459 SchreibenderFakultätandasKultusministeriumvom27.11.1933,ArchivderHumboldt-
Universität zuBerlin, Jur. Fak.Nr.498, fol. 113.
460 Lösch,DernackteGeist 191Fn.317.
461 SchreibendesKultusministersvom22.9.1934,ArchivderHumboldt-UniversitätzuBerlin,
Jur. Fak.P-2 (510),Prof.Dr.Grafv.Gleispach,UINr9196.1.
462 Ernennung zum Dekan der Juristischen Fakultät, Archiv der Humboldt-Universität zu
Berlin, Jur. Fak.P-2 (510),Prof.Dr.Graf v.Gleispach,WIbNr.1119.
463 Lösch,DernackteGeist 256.
464 TheTimesvom2.8. 1934Nr.46822, 10.
465 SchreibenGleispachsvom28.5. 1935,TA,TP-015496.
466 Vgl. dazuRabofsky/Oberkofler,VerborgeneWurzelnderNS-Justiz.
467 Kadecˇka, Selbstdarstellung 105; Andreas Zelinka (23. 2. 1802–21.11. 1868) war 1861–
1868Bürgermeister vonWien.
468 Jahresberichtdesk.k.Ober-GymnasiumszudenSchotten inWien1893, 61.
Die
judiziellenFächer432
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik