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f) FritzBleiber359
Fritz Bleiber kam1898 inWien zurWelt undwidmete sich abdemWinterse-
mester 1917 »orientalischen, geographischen und ethnographischen Studien,
welche [er]mit der Erwerbung des philosophischenDoktorgrades auf Grund
der Dissertation ›Der Sprachschlüssel des Scheich Mahmud ibn Adham‹
(Hauptfach Islamische Sprache und Literatur, Nebenfach Ethnographie) im
Sommer1921abschloss.DaderursprünglichinAussichtgenommeneBeruf,die
konsularische Laufbahn, durch denZusammenbruch derDonaumonarchie in
unerreichbareFernegerückt schien, trat [er] imHerbst 1923 indenDienstder
UniversitätsbibliothekWienund inskribierte [sich] gleichzeitig anderRechts-
und Staatswissenschaftlichen Fakultät, um, [seiner] besonderen Neigung fol-
gend, Völkerrecht zu studieren.« Im Sommer 1927wurde er zumDoktor der
Staatswissenschaftenmit derDissertation »Die Stellung neutraler Staatsange-
höriger imLandgebiet Kriegführender« promoviert. Es folgte eine dreijährige
Studienpraxis in der Völkerrechtsabteilung des Bundeskanzleramtes-Auswär-
tigeAngelegenheitenund1933»einStipendiumzurTeilnahmeandenSomm-
erkursenderHaagerAkademie«.1934warer»alszeitweiligerMitarbeiterbeim
Völkerbundtätig«.360Bereits1933stellteerdenAntragaufVerleihungdervenia
legendi an dasWiener rechts- und staatswissenschaftlichen Professorenkolle-
giummitderSchrift»DieEntdeckungimVölkerrecht«361.DieGutachtenwurden
vonAlexanderHold-Ferneck undAlfredVerdroß erstattet. Diesbezüglich be-
richtete der Dekan Ernst Schönbauer 1942: »Betreffs der wissenschaftlichen
Leistungen trat schon bei der Habilitierung für Völkerrecht eine etwas ver-
schiedeneBewertunghervor.Prof.BaronHoldwertetBleiber’sLeistungensehr
hoch, bedeutend tiefer der zweite Ordinarius für Völkerrecht Prof. Verdross-
Drossberg.«362DasdürftederGrund fürdas langeHabilitationsverfahrenBlei-
bers sein –der Beschluss des Professorenkollegiums aufVerleihung der venia
legendi erfolgte am12. Juli 1934, die BestätigungdurchdasUnterrichtsminis-
teriumerstüber ein Jahr später am18. Juli 1935.363 Imgleichen Jahrwurde er
359 Die biographischen Angaben beruhen auf den Daten in: BArch (Berlin-Lichterfelde),
R/4901/24248.
360 BiographischeNotizundatiert,BArch (Berlin-Lichterfelde),R/4901/24248, fol. 2280.
361 Bleiber,DieEntdeckung imVölkerrecht.
362 SchreibenSchönbauers andenReichsminister fürWissenschaft ErziehungundVolksbil-
dungvom27.1. 1942,BArch (Berlin-Lichterfelde),R/4901/24248, fol. 2326. Ineinemwei-
teren Schreibenvom30.9. 1939beschreibt SchönbauerBleiberswissenschaftlicheQuali-
fikationwie folgt: »Bleibers wissenschaftliche Arbeitenwerden besonders von Prof. Dr.
Hold-Fernecksehrhochgeschätzt.Prof.Dr.Verdrossbewertetsienichtsogünstig.«BArch
(Berlin-Lichterfelde),R/4901/24248, fol. 2312.
363 Schreiben Bleibers an Dekan Schönbauer v. 29.4. 1939, BArch (Berlin-Lichterfelde),
R/4901/24248, fol. 2310.
Völkerrecht 543
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik