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2. DieProfessorenundDozenten
a) FriedrichWieser
FriedrichWieser, geboren am 10. Juli 1851 inWien, war der letzte des natio-
nalökonomischen Triumvirats der Menger-Schüler, der in unseremUntersu-
chungszeitraumnochlebte.387Ergingzwar1922offiziell inRuhestand, lehrteab
nochbiszumWintersemester1924,sodassetwaHayek,Haberler,Morgenstern,
MachlupundMahrdieMöglichkeithatten,beieinemVertreterausderHochzeit
derÖsterreichischen Schule derNationalökonomie zu lernen. In jenen Jahren
gabWieser allerdingshauptsächlichKurse inSoziologie.388
Wieser hatte dasWiener Schottengymnasiumbesucht, woHeinrich Fried-
jung und Eugen von Böhm-Bawerk zu seinen Mitschülern zählten. An der
Universität hörte er insbesondere die wirtschaftstheoretischen Vorlesungen
Lorenz von Steins, studierte aber auch inHeidelberg, Leipzig und Jena. Nach
StudienabschlussstanderimDienstderniederösterreichischenFinanz-Landes-
Direktion und arbeitete nebenher an seiner Habilitationsschrift. 1883 habili-
tierte er schließlichmit »Über denUrsprung und dieHauptgesetze des wirt-
schaftlichenWertes«,worin erdenBegriff des »Grenznutzens« entwickelte, an
der Universität Wien. 1884 gingWieser als Extraordinarius an die Deutsche
UniversitätPrag,woer1889zumordentlichenProfessorernanntwurde.InPrag
arbeiteteeran»DernatürlicheWert«(1889),dessenenglischeÜbersetzung1893
erschienundmaßgeblichzurVerbreitungderIdeenderÖsterreichischenSchule
der Nationalökonomie beitrug. In den Jahren danach widmete sich Wieser
vermehrt praktischen Fragen der Nationalökonomie, wie zum Beispiel »Die
Personaleinkommensteuer inÖsterreich« (1901) oder »Die deutsche Steuer-
leistungundderöffentlicheHaushalt inBöhmen« (1904).
ImHerbst1903kehrteWieseralsNachfolgerMengerszurücknachWien,wo
er sich insbesonderemit Problemen der Geldtheorie auseinandersetzte, aber
immer öfter soziologische,mitMachtfragen befasste Aufsätze veröffentlichte,
gerade auch imZusammenhangmit demErstenWeltkrieg und seiner politi-
schenTätigkeit: »DieLehrendesKrieges« (1915), »EinösterreichischerWehr-
bund« (1916) und »Österreichs Ende« (1919). In den Jahren 1917–18 war
Wieser Handelsminister und daher damals nur Honorarprofessor der Politi-
schen Ökonomie. Erst ab dem Studienjahr 1919/20 wurde er im Personal-
standsverzeichniswieder als ordentlicheröffentlicherProfessorderVolkswirt-
schaftslehregeführt.
Wieser stand Anfang der 1920er Jahre der österreichischen Abteilung des
387 ZuWürdigungensieheSchams, FriedrichWieser; sowieHax,Vademecum.
388 ZuWieseralsSoziologesiehezumBeispielMenzel, FriedrichWieser, sowieBernsdorf,
Wieser;Mikl-Horke, Soziologie94.
DiestaatswissenschaftlichenFächer552
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik