Page - 554 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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namigen Lehrstuhl – allerdings hatten dieOrdinarien der PolitischenÖkono-
mie,Böhm-BawerkundWieser,dieGrünbergnominierten,»dabeimannigfache
Gegnerschaft innerhalb der Fakultät zu überwinden«, wie der Personalakt
festhält:392Voltelini bemängelte die historische SchulungGrünbergs, Schrutka
sprach sich gegen ein Ordinariat für ein Nebenfach aus; außerdem wurden
prinzipielleBedenkengegeneine»Versorgungsprofessur«geltendgemacht.Die
AbstimmungderKomiteesitzungergabschließlichdiePattsituationvon2:2.Da
DekanSchwindvonseinemDirimierungsrechtkeinenGebrauchmachenwollte,
überließman die Entscheidung demProfessorenkollegium.1919, als das Un-
terrichtsressortdenSozialdemokratenunterstand,wurdeGrünbergschließlich
mit dem Lehrstuhl Eugen Böhm-Bawerks (PolitischeÖkonomie und Volks-
wirtschaftspolitik) betraut, bis er 1923alsGründungsdirektordes Instituts für
SozialforschungnachFrankfurtberufenwurde.
Carl Grünberg las zumBeispiel »Über nationalen und internationalen Ar-
beiterschutz«, »Über Sozialismus (Entwicklungsgeschichte und Theorie der
Bewegung)«undwar ab1919/20 zudemDirektordes Staatswissenschaftlichen
Instituts. Zu den Studierenden des bekennendenMarxisten zählten unter an-
deremMaxAdler, Otto Bauer, Karl Renner undRudolfHilferding, die für so-
zialdemokratischePolitik inÖsterreichundDeutschlandbestimmendwurden.
Grünberg fungierte im Studienjahr 1918/19, als nicht nur das Staatswissen-
schaftlicheDoktoratsstudiumeingeführt, sondernauchdieFakultät fürFrauen
geöffnetwurde,alsDekan.Erverstarbam2.Feber1940inFrankfurtamMainan
denFolgeneines1928erlittenen schwerenSchlaganfalls.
c) EugenSchwiedland393
EugenPeterSchwiedland,geborenam23.Oktober1863inBudapest,wurdeam
29.Oktober1887anderUniversitätWienzumJDr.promoviert.Danacharbei-
tete er bei derWiener Kaufmannschaft und ab September 1888 in der versi-
cherungstechnischen Abteilung des Innenministeriums, wo er die Arbeiter-
versicherungmitgestaltete. 1890wechselte Schwiedland in die niederösterrei-
chischeHandels-undGewerbekammerunderhielt 1900 für seineMitarbeit an
neuenZolltarifendenTitel einesRegierungsratsverliehen.
Seit 1888 war Eugen Schwiedland an der Leitung der französischen Mo-
natsschrift »Revue d’ Êconomie Politique« beteiligt und lehrte ab 1891 am
Technologischen GewerbemuseumNationalökonomie und Sozialpolitik. 1895
392 ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton610,PersonalsaktGrünbergCarl.
393 Vgl. UAW, Senat S. 304.1175 sowieÖStAAVA,Unterricht Allg., Univ.Wien, Karton 612,
Personalakt Schwiedland Eugen. Näheres vor allem inWerner Filek-Wittinghausen,
MichaelMartischnig, SchwiedlandEugenPeter, in:ÖBLXII (Wien2005)56 f.
DiestaatswissenschaftlichenFächer554
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik