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g) KarlPrˇibram400
KarelEmanPrˇibramwurdeam2.Dezember1877 inPraggeboren, studiertean
der dortigen Deutschen Universität Rechtswissenschaften und wurde am
7.Feber1900promoviert.NachseinemRechtspraktikumzuerstbeimHandels-,
dannbeimStraflandesgerichtPragginger imOktober1900nachBerlin,woer
bei Sering undWagnerVorlesungenüber Staatswissenschaftenundpolitische
Ökonomie sowie exakte Philosophie hörte undwie sein spätererMentor, Carl
Grünberg, eine Prägung in der Historischen Schule der Wirtschaftswissen-
schaften erhielt. Zurück in Prag wurde Prˇibram vomÖkonomenRobert Zu-
ckerkandl angeregt, die Entstehungsgeschichte der österreichischenGewerbe-
ordnung aktenmäßig darzustellen. Dies machte einen längeren Aufenthalt in
Wiennotwendig,woPrˇibramSchülervonGrünbergwurde–undinWienblieb.
Denn die Ergebnisse derUntersuchung reichte dermittlerweile zumKatholi-
zismus konvertierte Karl Prˇibram als Habilitationsschrift »Geschichte der
österreichischen Gewerbepolitik von 1740 bis 1860«401 ein, womit er im Sep-
tember1907dieVenia fürPolitischeÖkonomieverliehenbekam.
ImBrotberuf arbeitete Prˇibramvon1908 bis 1911 ander Seite vonLudwig
Mises in der Zentralstelle fürWohnungsreform, danach als Vizesekretär der
k.k. Statistischen Zentralkommission, wo er die Abteilung Wirtschafts- und
Agrarstatistik leitete. Neben dieser Tätigkeit veröffentlichte er zahlreiche
Schriften, unter anderem»DieEntstehungder individualistischenSozialphilo-
sophie« (1912). 1914wurde ihmder Titel eines außerordentlichen Professors
verliehen, 1916 seineVenia auf das Fach Statistik ausgedehnt.402Als Friedrich
Wieser1917Handelsministerwurde, vertratPrˇibramseinenLehrstuhl.
Karl Prˇibram zählt außerdem zu jenen Lehrenden der Rechts- und Staats-
wissenschaftlichenFakultät, die auchpolitisch tätigwaren: 1917wurde erMi-
nisterialsekretär inder sozialpolitischenSektiondesHandelsministeriums; ab
1918wirkte er als Sektions- und späterMinisterialrat imneuen Staatsamt für
SozialeVerwaltung,woermaßgeblichdieSozialreformender jungenRepublik
(EinführungdesAchtstundentages,Arbeitslosenversicherungetc.) gestaltete.
Dennoch lehrteKarlPrˇibrambis zumSommersemester1921anderWiener
UniversitätWirtschafts-undHandelspolitik,bevoreralsLeiterderStatistischen
AbteilungdesInternationalenArbeitsamtes(ILO)nachGenfgerufenwurde,wo
erzumBeispiel»DieProblemeder internationalenArbeitsstatistik«(1925)und
dierechtsvergleichendeStudie»DieProblemederinternationalenSozialpolitik«
400 Vgl.ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton612, Personalakt PrˇibramKarl.Nä-
heresbeiPrˇibram, Erinnerungen;Chaloupek, Prˇibram.
401 Siehe dazu den aktuellenNachdruck Prˇibram, Geschichte der österreichischenGewer-
bepolitik.
402 Vgl.ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton612,PersonalaktPrˇibramKarl.
Nationalökonomie& Volkswirtschaftspolitik 559
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik