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NochvorBeendigungseinesHabilitationsverfahrensanderUniversitätWien
wurdeHansMayeraufgrundseinerStudie»TheorieundPreisbildung«undauf
Vermittlung Eugen von Philippovic´s 1912 als außerordentlicher Professor für
PolitischeÖkonomieandieUniversitätFreiburg inderSchweizberufen.Mayer
nahmseineLehrtätigkeit imOktober 1912 auf underhielt bereits imFrühjahr
1914 einenRuf andasneugeschaffeneOrdinariat für PolitischeÖkonomie an
derDeutschenTechnischenHochschuleinPrag.KurznachseinerErnennungim
August 1914musste er bei Ausbruch des ErstenWeltkrieges an die Front; ab
Mitte 1917 bis Kriegsende arbeitete er als Abteilungsleiter imWissenschaftli-
chenKomitee für Kriegswirtschaft des k.k.Kriegsministeriums, nachKonsti-
tuierungderRepublikschließlichbisFeber1919alsLeiterderBudgetsektionim
Staatsamt fürHeereswesen.
1919nahmHansMayerendlich seineTätigkeit alsordentlicherProfessor in
Prag – bei seiner Ernennung noch Teil der Habsburger Monarchie, nun
Hauptstadt des neu entstandenen tschechoslowakischen Staates – auf. Da in
ÖsterreichJosephSchumpeterzumStaatssekretärfürFinanzenernanntworden
warunddaherseinenLehrstuhlanderUniversitätGrazaufgab,folgteihmMayer
nach; für die Nachbesetzung seines Prager Ordinariats konnte Mayer Franz
XaverWeißdurchsetzen.SomitlehrteHansMayerabdemWintersemester1921/
22 in Graz, erhielt jedoch bald einen Ruf an die Universität Wien, wo ihn
FriedrichWieser im April 1923 als seinen Nachfolger einsetzte, zumal auch
Mayers Publikationenwie »Eine neue Grundlegung der theoretischen Natio-
nalökonomie« (1911) und die »Untersuchung zu demGrundgesetz der wirt-
schaftlichenWertrechnung« (1922) als bedeutende Beiträge zurÖsterreichi-
schen Schule derNationalökonomie galten. Diese Schriftenmachten ihn zum
»letzte[n] Vertreter der Wiener Schule«,404 präzise gesagt: zu ihrem letzten
universitär verankertenVertreter.
AllerdingswaresHansMayerinderFolgenichtmöglich,die inihngesetzten
Erwartungen zu erfüllen. Seine Studentenberichten, dass erwissenschaftliche
BeiträgeunvollendetundVorträgeunveröffentlicht ließ,dennerschien»unable
to sit downandwrite anythingconsecutively«405undwar lautFriedrichHayek
äußerst nervenschwach,406 was nicht zuletzt am erbittert ausgetragenen
MachtkampfgegenseinenWidersacher,OthmarSpann, lag:»Mayerwroteonly
ahandful of essays. But then, hismain concernhadnothing todowith theory
and nothing to do with ideas. His focus was on academic power within the
department and within the profession.«407 Hans Mayer hätte die Universität
404 SoseinStudentKurtRothschild (Rothschild,WennmandieWeltändernwill 62).
405 AlexanderGerschenkron, zit.n.Craver, Emigration8.
406 Vgl.Hayek, zit.n. Craver, Emigration 8. Eine etwas günstigereBewertung zuMayer gibt
Ebelingab:Ebeling,AustrianEconomics2 f.
407 Rockwell, Economics.
Nationalökonomie& Volkswirtschaftspolitik 561
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik