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F. Statistik (TamaraEHS)
1. Allgemeines
StatistikmusstevondenStudierendenderRechte inderaltenStudienordnung
als »allgemeine vergleichendeundösterreichischeStatistik« alsVoraussetzung
fürdieZulassungzudenStaatsprüfungenimAusmaßvonvierStundenwährend
eines Semesters besucht werden, war allerdings nicht Prüfungsfach.566 Auch
nach demStudienplan von 1935 zählte die Statistik nicht zu den Prüfungsfä-
chernundwarzudemaufdenBesucheinerVorlesung imAusmaßvonnurdrei
Stundenherabgesetzt. JedochwurdedieStatistik1935unterjeneFächergereiht,
aus denen Pflichtübungen zu belegenwaren, was Interessierten eine gründli-
chere statistischeAusbildungermöglichte.
Die Studierendender Staatswissenschaft hattendas Fach Statistik nachder
Studienordnung von 1919 ebenfalls zu frequentieren. Außerdemwar Statistik
Teil desRigorosumsund einGebiet, aus demdasDissertationsthema gewählt
werden konnte. Nach der Novellierung von 1926 war die Statistik aber kein
eigenerPrüfungsgegenstandmehr, lediglich»statistischeMethoden«Teilgebiet
deszweitenRigorosums,weswegendieZahlderHörerinnenundHörerwieauch
derDissertationenauf jenemGebietnach1926 starkabnahm.567
EntsprechenddieserehermarginalenBedeutungderStatistikanderRechts-
und Staatswissenschaftlichen Fakultät gab es in der Ersten Republik keinen
eigenenLehrstuhl fürStatistik.568DerLehrveranstaltungsbetrieb569wiesseitens
derLehrendendennochgroßeKonstanzauf:BiseinschließlichWintersemester
1918/19 lasenHugoForcher undWalter Schiff, ab demSommersemester 1919
kam Viktor Mataja hinzu, mit Wintersemester 1921/22 zusätzlich Wilhelm
Winkler. Jene vier Dozenten hatten zehn Jahre lang, bis inklusive Sommerse-
mester1930,dieLehrederStatistikinne.ImSommer1930verstarbForcherund
Felix Klezl übernahm statistischeVorlesungen;Mataja verstarb im Juni 1934.
Schiff, der vor allemdie linkenStudierendenmaßgeblich geprägt und in allen
Jahrengelehrthatte,wurdeaufgrundseinerehemalssozialdemokratischenund
ab1934kommunistischenParteizugehörigkeitnachdemBürgerkriegentlassen.
Winkler musste 1938 die Lehrtätigkeit aufgrund seiner Ehe mit einer Jüdin
aufgeben, konnte sie 1945 aber wieder aufnehmenund zählt bis heute zu den
Nestoren der österreichischen Statistik, weil er Jahre hinweg zwei der bedeu-
566 Vgl.RGBl. 204/1893.
567 Vgl. StGBl. 249/1919undBGBl258/1926.
568 Denbislang letzten Lehrstuhl für Statistik hatte von 1881bis 1908Karl Theodor Inama-
Sternegg inne,der1890die ersteVolkszählungmitZählmaschinendurchführte.
569 Für eineListe derVorlesungenüber Statistik andenUniversitätenWien,Grazund Inns-
bruck inderZwischenkriegszeit sieheExner, Bevölkerungswissenschaft.
Statistik 613
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik