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nasiumsbesuchthatte,wechselteer ineineHandelslehranstaltunddurchlief in
dendarauffolgendendrei JahreneinekaufmännischePraxisundMilitärdienst.
Erst im Sommer 1878 holte er am Josefstädter Staatsgymnasium dieMaturi-
tätsprüfungnach, immatrikuliertedannanderUniversitätWienundstudierte
bis1882dieRechte.AlsseineLehrerführteervorallemCarlMengerundGeorg
Jellinekan.
Am21.April 1883 zumJDr. promoviert, arbeiteteViktorMatajabereits seit
einigen Monaten als Konzipist in der niederösterreichischen Handels- und
Gewerbekammer,woerbis1890 tätigwar.Bereitskaummehralsein Jahrnach
seiner Promotion, am 4.August 1884, erfolgte an der UniversitätWien seine
Habilitation für PolitischeÖkonomiemit der Schrift »Der Unternehmensge-
winn.EinBeitragzurLehrevonderGüterverteilunginderVolkswirtschaft«. In
dendarauffolgendenJahrenhieltMatajaVorlesungenanderUniversitätundwar
außerdem seit 1887 amTechnologischen GewerbemuseumDozent für Volks-
wirtschaftundSozialpolitik.WeitereLehraufträgefürPolitischeÖkonomiehielt
er imStudienjahr 1889/90 ander k.u.k.OrientalischenAkademie, ab 1900 als
Supplent bereits an der neu eingerichteten Konsularakademie.576 Schließlich
wurdeMatajaam22.März1890zumaußerordentlichenProfessorfürPolitische
ÖkonomieanderUniversität Innsbruckernanntundfolgtedort imSeptember
1892alsordentlicherProfessorEugenvonBöhm-Bawerknach.
1892 wurde er jedoch auch zumMinisterialrat imHandelsministerium in
Wien ernannt, umdemHandelsstatistischenDienst vorzustehen, unddeshalb
vom Innsbrucker Lehramt enthoben. Allerdings ernannte ihn die Universität
Wien imAugust 1897 zumHonorarprofessor fürPolitischeÖkonomie.Mataja
hatte demnach keine Lehrverpflichtung, lehrte jedoch – sofern es seine Zeit
erlaubte – in jenen JahrenüberdieGeschichte derNationalökonomie, dieGe-
schichte des Sozialismus, sowieüberKredit- undBankwesen. Schon seit 1888
fungierte er an der Universität Wien in der staatswissenschaftlichen Staats-
prüfungskommission.
In den Jahren 1908/09, 1911 und nochmals kurzfristig im Jahr 1917 war
Mataja Handelsminister. Dann wurde er k.k.Minister ohne Portefeuille und
begründete 1918 das Ministerium für soziale Fürsorge; er gilt damit als der
weltweit erste Sozialminister. 1914 bis 1917 warMataja zudem Präsident der
StatistischenZentralkommission, 1919 bis zu seiner Pensionierung1922dann
desneuenBundesamts für Statistik.AbdemSommersemester 1919unterrich-
teteMatajabiszuseinemTodeam19. Juni1934auchwiederanderUniversität
Wien. Er hielt stets dieVorlesung »Allgemeine vergleichende undösterreichi-
sche Statistik« und botmanchmal das zugehörige Proseminar an,mitWalter
Schiff gemeinsamauchdas»StatistischeSeminar«.
576 Vgl.ÖStAHHStA, Sonderbestände, Archiv derKonsularakademie, Schachtel 97,Mataja.
Statistik 617
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik