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Venia für Politische Ökonomie, was von den Gutachtern Philippovic´ und
Menger positiv beschiedenwurde; imMärz 1899 erfolgte dieHabilitation. Im
Mai 1901wurde SchiffsVenia auf das Fach Statistik erweitert und 1904 bean-
tragte die Fakultät, ihm den Titel eines außerordentlichen Professors zu ver-
leihen. DiesemGesuch kam dasMinisterium jedoch erst imMai 1910 nach.
Doch bereits 1914 wurde Schiff der Titel eines ordentlichen Universitätspro-
fessorsderPolitischenÖkonomieanderUniversitätWienverliehenundzählte
unteranderemEduardMärzundAlfredKlahrzuseinenSchülern.SeitdemJahr
1900hatteSchiff außerdemeineVenia fürRechts-undVerwaltungslehreander
Hochschule für Bodenkultur inne, seit 1901 ebendort auch für Volkswirt-
schaftslehreundStatistik.
In den Jahren 1908 bis 1919 warWalter Schiff neben seiner universitären
Tätigkeit auchBeamterdesArbeitsstatistischenAmts imHandelsministerium,
unteranderemunterViktorMataja.ReinhardMüllersprichtvom»Zweigespann
Mataja-Schiff«, das für die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät oft
gemeinsamdasStatistischeSeminaranbot,garalsdem»erstenHöhepunktder
österreichischen Sozialstatistik«.578 Seit 1910 korrespondierendesMitglied der
StatistischenZentralkommission, fungierte Schiff von 1919 bis zu seiner Pen-
sionierung1922schließlichalsVizepräsidentdesBundesamtsfürStatistik.Trotz
Ruhestandes nach 30 Jahren Staatsdienst war Schiff aber noch bis zu seiner
politisch bedingten Entlassung 1934 als Konsulent leitender Beamter des Sta-
tistischenAmtsderStadtWien.
NebenseinerBeamten-undUniversitätslaufbahnwarWalterSchiffalsenger
FreundLudoMoritzHartmanns inderWienerVolksbildung tätig undals sol-
cherMitbegründerundleitenderVizepräsidentdesVolksheimsinOttakring.Ab
1909war er dort Fachreferent für Staats- undRechtswissenschaften; 1931 bis
1934geschäftsführenderLeiterdesVolksheims.AußerdemengagiertesichSchiff
inderFrauenbildungundbegründete1912gemeinsammitAnnaPostelbergdas
private»MädchengymnasiumfürerweiterteFrauenbildung«inderAlbertgasse
in Wien-Josefstadt. In dieser Funktion brachte er im März 1916 im Unter-
richtsministeriumdieDenkschrift »DieZulassungderFrauenzumjuristischen
Studiumein«.579
Obwohlschonlangesozialengagiert(zumBeispiel imWienerSettlement580),
warWalterSchiff lediglichvon1928bis1934MitgliedderSozialdemokratischen
Arbeiterpartei und trat nach demFeber 1934 der illegalisiertenKommunisti-
schen Partei bei. Deshalb wurde er nach dem Bürgerkrieg aus allenÄmtern
entlassenund entsprechendwurde 1936 auchSchiffsAntrag aufVerlängerung
578 Müller, Schiff 12.
579 Vgl. Schiff, Zulassung.
580 Vgl.Grunwald, Jewishsettlements;Malleier,OttakringerSettlement.
Statistik 619
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik