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über eingeleitete Verhandlungen bis zu deren endgültigemAbschlusse, sowie
über Anträge an eine Oberbehörde bis zu der von der letzteren getroffenen
EntscheidungStillschweigenzubeachten ist.«114DasProfessorenkollegiumder
Wiener Fakultät befasste sich inder Sitzung vom6. Julimit der FragederGe-
heimhaltungvonFakultätsbeschlüssenundkamzumErgebnis,dassabgesehen
vonderWahrungdesAmtsgeheimnisseskeinegesetzlichenBestimmungendie
Veröffentlichung von Fakultätsbeschlüssen einschränken.115 Dieser Meinung
schloss sich auch die Grazer Fakultät an. Am18. Juli wurde über den Protest
sowie das vomUnterrichtsministerium erfolgte Verbot der Kundmachung im
Deutschlandsenderberichtet.116VonwemdieIdeedesProtestesstammt,wirdin
denAktennicht erwähnt. Layer schriebdazu später: »MeineAntragstellung in
der Fakultät, einen Protest gegen die durch eine Verordnung verfügte Aus-
schaltung des Verfassungsgerichtshofes beim Bundespräsidenten zu erheben,
fanddie Zustimmungder juristischenFakultäten aller dreiUniversitäten,war
aber vonkeinemanderenpraktischenErfolgebegleitet, alsdenUrheberdieses
Protestes missliebig zumachen.«117Über die Folgen für Layer wurde bereits
berichtet.118
I. Konflikte zwischendenUniversitäten
Spannungen zwischen der Universität Wien und den »Provinzuniversitäten«
warenvorallemimBereichderfinanziellenAngelegenheitengegeben.Soführte
derVersuchderSchaffungeinerwirtschaftlichenAutonomiederUniversitäten,
die sog.LexKelsen, inden frühen1920er JahrenzuUnstimmigkeitenzwischen
denUniversitäten.119EinweitererKonfliktbereichwardiesog.»WienerZulage«.
SobekamendieWienerProfessorenzusätzlich zu ihremregulärenGehalt eine
Zulage–1921machtedieseZulagefürordentlicheProfessoren3000Kronenaus.
ImRahmenderDiskussionenzueinerBesoldungsreformkamfolgendeIdeeauf:
»Es soll eine 10% betragende, in einigen Jahren auf 20% steigendeWiener
ZulagevomkünftigenGrundgehaltoderaberes soll eine10prozentigeWiener
ZulagevondenGesamtbezügeneingeführtwerden.«120–waseineErhöhungder
114 SchreibendesUnterrichtsministeriumsandieWienerFakultät,UAGraz,Jur.Dek. 1932/33,
954ex1932/33.
115 SchreibendesWienerProdekansandieGrazerFakultät,UAGraz,Jur.Dek.1932/33,954ex
1932/33.
116 AktenvermerkdesWienerProdekans,UAGraz, Jur.Dek. 1932/33, 954ex1932/33.
117 Lebenslauf,Z363/1934,AÖAW,PersonalaktMaxLayer.
118 Vgl. oben505–508.
119 Vgl. 39–41.
120 SchreibenandasUnterrichtsministeriumvom22.3. 1921,UAGraz, Jur.Dek.1920/21,841
ex1920/21.
Konflikte zwischendenUniversitäten 665
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik