Page - 676 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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eigeneBildungseinrichtungfürdendiplomatischenDienstbrauchenwürde.Die
weiteren politischen Entwicklungen führten zum Plan der Schaffung einer
»übernationalen Akademie«9 aus der Konsular-Akademie heraus. Diese sollte
vonden teilnehmendenStaaten finanziert undgeleitetwerden– jedoch zeigte
einzigDeutschlandInteresseandiesemPlan.ImWintersemester1921/22wurde
die neue Konsular-Akademie mit dem Zusatz »Akademie für Politik und
Volkswirtschaft« eröffnet.10 Der Lehrplan wurde wesentlich abgeändert. Die
Ausrichtungaufdie »orientalischen«Länderwurdeabgeschafft, als obligatori-
sche Sprachen waren nun Deutsch, Englisch und Französisch vorgesehen.
Deutschsprachige Studierendemussten zusätzlich eine Sprache absolvieren –
zurAuswahl standen: Italienisch,Ungarisch, Tschechoslowakisch, Serbokroa-
tisch,Arabisch,PersischundTürkisch.11
Der neue Lehrplanwar für eine zweijährige Ausbildung ausgelegt und un-
terschied sich somit stark von demursprünglich fünfjährigen Lehrplan. Ins-
besondere die rechtlichen Fächer erfuhren eine Kürzungmit demArgument,
dassfürdienationalenRechtsgebietenichtdieKonsular-Akademiezuständigsei
–hattederLehrplan inderMonarchienocheine starke juristischeAusbildung
vorgesehenmit beispielsweise 17 SemesterstundenZivilrecht, sowurdedieses
Fachnun gänzlich abgeschafft. Der Lehrplan bestand aus drei Bereichen: den
wirtschaftlich-kommerziellen Fächern, den historisch-politischen und juristi-
schenFächernunddenSprachen.An rechtlichenFächernwarenobligat: zehn
SemesterstundenInternationalesRechtundvierSemesterstundenVölkerrecht.
ZusätzlichgabesfakultativeSpezialkursezumvergleichendenVerwaltungsrecht
und zu den modernen staatsrechtlichen Theorien. Die Zusammenarbeit mit
Deutschland verbesserte in den frühen zwanziger Jahrendie finanzielle Situa-
tionderKonsular-Akademie–1923 folgte jedocheindramatischerEinbruchin
der finanziellenUnterstützung: So führte die sichverschlechternde finanzielle
LageÖsterreichs zur Einstellung der staatlichen Finanzierung der Konsular-
Akademie,hinzukam,dassauchdieFörderungenausDeutschlandzunächstan
Wert verloren und Anfang 1923 schließlich ausblieben. Pläne die Konsular-
Akademie zu schließenunddie diplomatischenKräfte an derHochschule für
Welthandelauszubildenkonntenzwarabgewehrtwerden,trotzdemsahsichdie
Konsular-Akademie in einernahezuausweglosenSituation.12LetztenEndes fi-
nanziertesichdieKonsular-AkademieinderZwischenkriegszeitgroßteilsselbst
durchdieEinnahmen fürdieAusbildungvondiplomatischemPersonal, hinzu
kamen Förderungen durchÖsterreich undDeutschland. Die Ausrichtung der
9 Godsey, ConsularAcademy146.
10 Ebd.143.
11 Lehrplanaus1920abgedruckt in:Godsey,ConsularAcademy147.
12 Godsey, ConsularAcademy149.
JuristischeLehrstühleananderenWienerHochschulen676
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik