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3. Kelsen-Kreis105
HansKelsenpflegteseit seinerHabilitation(1911), indererdieGrundzügeder
ReinenRechtslehrebereitsdargestellthatte,einenKreis,dersichanfänglichvor
allemausHörernseinerVorlesungenzusammensetzte.Unter ihnenwarenetwa
Adolf Merkl, Leonid Pitamic´ und Alfred Verdroß. Nach 1919 stießen weitere
Studierendehinzu,nunauchjenedesStaatswissenschaftlichenDoktorats,sowie
Habilitand/innenund jungePrivatdozenten, zumBeispiel JosefDobretsberger,
GeorgFleischer,LeoGross,FelixKaufmann,MargitKraft-Fuchs, JosefLaurenz
Kunz, Fritz Sander, Fritz SchreierundErichVögelin.Außerdemkamen inden
1920er Jahren zahlreiche Studierende aus dem Ausland nachWien, um von
Kelsen zu lernen, wie etwa Alf Ross aus Dänemark, Charles Eisenmann aus
FrankreichundJuliusKraft ausDeutschland.
Der Kelsen-Kreis befasste sich vorrangig mit rechtstheoretischen Fragen,
sodassman bald von einerWiener Rechtstheoretischen Schule sprach. Zudem
wurdenaber auchThemender angrenzendenFachgebietewie Soziologie oder
Staatswissenschaft erörtert.
4. Spann-Kreis
Seit seiner Berufung an die Universität Wien lud Othmar Spann an jedem
Sonntagvormittag zumPrivatseminar zu sich nachHause, um Studierende –
unterihnenWilhelmAndreae,JakobBaxa,WalterHeinrich,AugustMariaKnoll,
HansRiehl,HermannRoeder,JohannSauter,ErichVögelinundFerdinandAlois
Westphalen – in die Grundlagen seiner Gesellschafts- als Ganzheitslehre ein-
zuführen.106DieseMitgliederlistewarbeinahe identischmitdenProtagonisten
des StaatswissenschaftlichenVereins, derdeshalb auch»Spann-Klub«genannt
wurde. Primus inter pares des Kreises war Spanns Lieblingsschüler Walter
Heinrich.
Erich Vögelin berichtet über die Themen dieser Zusammenkunft, dass er
ȟber Spann und dieMitarbeiter in seinem Seminar, insbesondere in seinem
Privatseminar, das ich einige Jahre langbesuchte,ZugangzurklassischenPhi-
losophie(PlatonundAristoteles)undzudenSystemphilosophendesdeutschen
Idealismus, Johann Gottlieb Fichte, Georg W. F. Hegel und Friedrich W. J.
Schelling, gewann.«107UndgemäßdenErinnerungenOskarMorgensterns, der
105 Vgl.Walter,KreisumHansKelsen.
106 FürDetails zu Spann, seinenTheorienunddenSpannianern siehedasKapitel »DieLeh-
renden«,obenSeite581ff.
107 Voegelin,Reflexionen22.
Kreise 739
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik